# taz.de -- heute in bremen: „Klimakrise als medizinischen Notfall anerkennen“
       
       Interview Liz Mathy
       
       taz: Frau Pörtner, wie hängen Klimawandel und Gesundheit zusammen? 
       
       Lisa Pörtner: Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Klimakrise als
       größte Gesundheitsbedrohung im 21. Jahrhundert ein. Die Erderwärmung führt
       zu mehr und intensiveren Hitzewellen, die insbesondere für ältere und
       vorerkrankte Menschen tödlich sein können. Hinzu kommen
       Extremwetterereignisse, wie Dürren und Überflutungen, die wir zuletzt auch
       in Deutschland beobachten konnten. Diese Ereignisse kosten Menschenleben
       und gefährden in anderen Ländern bereits die Nahrungs- und
       Trinkwassersicherheit. Infektionserkrankungen nehmen zu und
       Krankheitserreger wie Malaria werden sich weiter nördlich ausbreiten. Auch
       psychische Erkrankungen nehmen zu, wie im Extremfall infolge des Verlustes
       des eigenen Zuhauses bei einer klimabedingten Flucht.
       
       Die Mahnwache läuft im Rahmen der bundesweiten Aktion „Wer rettet 150.000
       Leben?“. Was hat es damit auf sich? 
       
       Eine Studie aus diesem Jahr ist zu dem Ergebnis gekommen, dass allein in
       Deutschland pro Jahr 150.000 vorzeitige Todesfälle verhindert werden
       könnten, wenn Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden, die zur Einhaltung des
       Pariser Abkommens führen. Maßgeblichen Einfluss hierbei haben die
       Verbesserung der Luftqualität insbesondere durch die Abschaltung von
       Kohlekraftwerken, eine aktivere Mobilität im Rahmen der Verkehrswende und
       eine gesündere, mehr pflanzenbasierte Ernährung.
       
       Was möchte Health for Future erreichen? 
       
       Die Politik muss die Klimakrise als medizinischen Notfall anerkennen und
       alles dafür tun, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Wir setzen uns
       daher für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels und eine Klimaneutralität
       Deutschlands bis 2035 ein.
       
       In welchem Verhältnis stehen für Sie bei der Erreichung dieser Ziele der
       Druck auf staatliche Akteur:innen und individuelle Verhaltensänderungen? 
       
       Wir brauchen beides! Jedoch muss Schluss damit sein, die Verantwortung auf
       die Menschen abzuwälzen. Klimaschutz kann nicht die Entscheidung des
       Einzelnen sein. Die Verantwortung, die Zukunft der Menschen zu schützen,
       liegt maßgeblich bei der Politik. Doch ihr fehlt aktuell im Gegensatz zu
       vielen Bürgerinnen und Bürgern der Wille.
       
       Was hat Sie zu Health for Future gebracht? 
       
       Ich bin schon lange im Umwelt- und Klimaschutz aktiv. Die Auswirkungen der
       Klimakrise auf die Gesundheit der Menschen werden immer deutlicher. Als
       Ärztin ist es mir wichtig, dafür einzutreten, dass die Gesundheit heutiger
       und zukünftiger Generationen geschützt wird.
       
       15 Sep 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Liz Mathy
       
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