# taz.de -- heute in bremen: „Schlagzeilen aus zwei Jahren mit Corona“
       
       Interview Pia Tönnissen
       
       taz: Frau de Vries, was macht die Installation „Landscape in Europe
       2020–2021“ von Mateo Maté so besonders? 
       
       Janneke de Vries: Die Arbeit holt jeden direkt ab. Dabei ist sie extrem
       durchdacht und extrem präzise. Im ersten Moment ist sie direkt zugänglich.
       Dabei bleibt es aber nicht. Wenn man dann weiterdenkt, bemerkt man, dass
       das Werk sehr vielschichtig ist und viele Gedanken dahinterstecken.
       
       Was heißt das konkret? 
       
       Die Arbeit an sich besteht aus lauter Zeitungsmeldungen und verschiedenen
       europäischen Tageszeitungen, die zu einer großen Zeitungslandschaft
       zusammengestellt sind. Eine Elektroeisenbahn fährt durch diese Landschaft
       aus Printmedien und filmt sie mit einer kleinen Kamera.
       
       Wie lässt sich beschreiben, was das Werk zeigen soll? 
       
       Das Werk stellt die Übermacht an Informationen dar, die auf einen
       einstürzen. Das sind Schlagzeilen aus den letzten zwei Jahren mit Corona.
       Es ist eine Momentaufnahme aus einer Zeit, in der die Welt von diesem einen
       Thema beherrscht und geprägt worden ist: Es gibt keine Schlagzeile, die so
       präsent war wie die über Corona. Die Eisenbahn durchfährt also, was Europa
       in den letzten Jahren bestimmt hat.
       
       Was kann man von dem Kunstwerk mitnehmen? 
       
       Man erfährt, was es mit dem eigenen Denken macht, wenn man versucht, sich
       darauf einzulassen. Das Werk trifft mit der Momentaufnahme Corona etwas,
       was jeden beschäftigt hat. Es gibt, glaube ich, niemanden, an dem Corona
       spurlos vorbeigegangen ist.
       
       War denn die Konzeption des Kunstwerks von vornherein mit der Pandemie
       verknüpft, also ist die Idee erst durch diese Ausnahmesituation entstanden? 
       
       Nein, die Arbeit sollte ursprünglich bereits 2019 realisiert werden. Sie
       ist aber coronabedingt immer wieder verschoben worden, zwei Jahre lang.
       
       Also ging es nicht um Corona? 
       
       Nein, es ging um die Lage der Welt, wie sie sich in den
       Zeitungsschlagzeilen spiegelt. Die sind massiv von Corona geprägt – weil
       die Verzögerungen dem Projekt zu einer stärkeren Aktualität verholfen
       haben. Natürlich kommen da auch Schlagzeilen zu anderen Themen vor, aber
       die Pandemie hat alles überlagert. Es wird ja auch oft kritisiert, dass
       andere Themen davon zurückgedrängt worden sind.
       
       Was bringt die Kooperation mit dem spanischen Kulturinstitut Instituto
       Cervantes Bremen? 
       
       Wir haben dadurch das Werk geschenkt bekommen und konnten es in unsere
       Sammlung aufnehmen. Nicht jede Schenkung wird angenommen. Dieses Werk passt
       aber zu uns, weil es sich mit gesellschaftlichen Befindlichkeiten
       auseinandersetzt. Die Anfrage des Instituto Cervantes Bremen zur
       Kooperation ist für uns eine große, positive Überraschung gewesen.
       
       27 Aug 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pia Tönnissen
       
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