# taz.de -- Ferien und Fußball-Bundesliga: Liveticker am MSV-blauen See
       
       > In der Urlaubsferne lässt sich so ein Bundesligaspieltag am ehesten noch
       > geräuschlos genießen. Eine Hertha-Niederlage hilft dabei ein wenig.
       
 (IMG) Bild: Unzufriedene Herthaner: Bei manchen Beobachter:innen weckt das ein Gefühl der Zufriedenheit
       
       Zweiter Spieltag der Fußball-Bundesliga, also der wichtigsten Liga der
       Welt, jedenfalls in Deutschland. Und natürlich geht es schon wieder um
       alles, also um Auf- und Abstiege, Titel, Karrieren und ums Rechthaben. Vor
       allem mit Letzterem kann man schließlich gar nicht früh genug anfangen.
       
       Am norwegischen Urlaubsort ist von den anstehenden Dramen und vor allem der
       ganz großen Begeisterung fürs Kicken allerdings kaum etwas zu spüren. Vor
       dem örtlichen Einkaufszentrum steht zwar ein Mann mit gleich zwei
       Vereinsschals in der Hand, aber die gehören zum nebenan gelegenen lokalen,
       notorisch erfolglosen Klub, der an diesem Samstagnachmittag ein Event
       namens „Fußball für alle“ anbietet. Soll ruhig jeder mal selber
       ausprobieren, wie schwer das ist, Tore zu schießen, hatten sich die
       Verantwortlichen vielleicht gedacht, dann würde das nachwochenendliche
       Gemecker in der Lokalzeitung möglicherweise auch mal aufhören, wäre ja auch
       schön.
       
       In Deutschland wird derweil angepfiffen. Das ist ein bisschen ungünstig,
       denn einfach so das Fernsehen oder das Radio einzuschalten und das
       Geschehen in Frankfurt, Freiburg, Bochum, Fürth, Leverkusen und Berlin zu
       verfolgen, geht nicht. Das liegt einerseits daran, dass es in Norwegen nur
       wenig Gespür für die allgemeine Großartigkeit der Bundesliga gibt und
       lieber die Premier League geschaut wird. Und andererseits daran, dass die
       Sonne scheint und ein Ausflug an einen sehr netten See mit kleinem
       Sandstrand vorgesehen ist.
       
       Natürlich wäre es möglich, per Handy deutsches Radio zu hören, aber da
       wären dann doch nur wieder [1][sehr engagierte Kommentatoren] zu hören, die
       in einer Tour aufgeregt und laut sind, und das wäre für einen der letzten
       Sommerurlaubstage einfach unangemessen anstrengend.
       
       ## Endlichkeit von Träumen
       
       Also Liveticker, auch nicht ideal, aber wenigstens akustisch entspannt,
       auch wenn sich gleich schon wieder abzeichnet, dass praktisch alle Vereine
       nicht das tun, was man von ihnen erwartet, also im Fall von Dortmund sich
       zusammenzureißen und ein furchteinflößender Bayern-Konkurrent zu sein und
       im Fall aller anderen netten Vereine gemütlich zu unterliegen.
       
       Und so wird also in der Sonne gesessen und auf den blau vor sich
       hinplätschernden See geguckt, während über die Endlichkeit nachgedacht
       wird, vor allem die von Meisterträumen des BVB. Immerhin, bei der Hertha
       könnte es spannend werden. Ausgleich durch Baku in der 74., hmmm, da geht
       vielleicht noch was. Nun ist es nicht so, dass eine große Antipathie gegen
       den Berliner Klub vorliegt, aber eines Montagsnachmittags vor Jahren,
       Jaaahren, von einem damaligen Pressesprecher des Vereins zu Hause angerufen
       worden zu sein, hat der Sache der Hertha-Liebhaberei nicht eben geholfen.
       
       Der Mann war nämlich schwer empört über einen Artikel, in dem seinem
       Arbeitgeber schweres Unrecht zugefügt worden sei, fand er, und brüllte
       deswegen ins Telefon: „Ich erwarte, dass Sie in einer halben Stunde in
       meinem Büro erscheinen und sich entschuldigen.“ Sicherheitshalber
       wiederholte er diesen Satz in ansteigender Lautstärke. Als ihm nach langen
       Minuten klar wurde, dass alles nicht so laufen würde, wie er sich das
       vorstellte, änderte er seine Taktik und sagte sehr, sehr freundlich; „Sie
       können auch eine Dauerpressekarte haben, wenn Sie möchten, Sie müssen mich
       nur fragen.“
       
       Das war irritierend, aber nicht so irritierend wie die große Wespe, die
       sich für diesen Nachmittag vorgenommen hat, die deutsche Urlauberin zu
       ärgern und in einer Tour zu versuchen, in deren Haaren zu landen. Wer
       jemals die Wahl hatte zwischen einerseits von einem BVB-farbenen Insekt
       gestochen zu werden, aber dafür live eine Hertha-Niederlage mitzuerleben
       und andererseits in einen sehr kalten, [2][aber immerhin MSV-blauen See] zu
       springen, weiß, was zu tun ist.
       
       23 Aug 2021
       
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