# taz.de -- heute in bremen: „Jahrelang hat sich niemand gekümmert“
       
       Interview Pia Tönnissen
       
       taz: Welche Gefahr geht von versunkener Munition aus? 
       
       Sven Bergmann: Gesunkene und versenkte Munition aus dem Ersten und Zweiten
       Weltkrieg enthält Sprengstoff, der immer noch explodieren könnte. Darüber
       hinaus ist der häufigste Sprengstoff, TNT, aber auch krebserregend. So
       gelangen nach Jahrzehnten diese gesundheitsgefährdenden Stoffe in die
       Umwelt und gefährden Meereslebewesen.
       
       Wie akut ist die Gefahr? 
       
       Bei giftigen Chemikalien wie TNT sprechen wir von schleichenden Prozessen.
       Die Substanzen gelangen langsam in die Umwelt und werden von Lebewesen
       aufgenommen. In ihnen reichern sie sich dann an und gelangen in die
       Nahrungskette.
       
       Wie kann man die Gefahr beseitigen? 
       
       Die Munition kann natürlich weggeräumt werden. Das ist allerdings ein sehr
       kostenintensives Verfahren. Das wäre eher eine Frage, mit der die Politik
       sich mehr beschäftigen müsste. Wir erforschen, wie die Gefahr aussieht.
       
       Wie wird bei der Forschung vorgegangen? 
       
       Jahrelang hat sich niemand richtig um Kriegswracks im Meer gekümmert. Dabei
       sind die meisten Versenkungsplätze bekannt und in Karten verzeichnet. Mit
       Forschungsschiffen fahren wir zu einigen Wrackstellen, um Untersuchungen zu
       machen. Forschungstaucher:innen entnehmen unter Wasser Proben, zum
       Beispiel Sedimentproben. Zudem werden Muschelsäcke am Wrack oder in der
       Nähe angebracht und nach einigen Wochen im Labor toxikologisch untersucht.
       
       Wie kommt die Munition denn ins Meer? 
       
       Die Wracks, die wir im Projekt „North Sea Wrecks“ untersuchen, sind durch
       Kriegshandlungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg gesunken. Auch nach den
       Kriegen wurde Munition im Meer verklappt, also versenkt.
       
       Die Forschung findet im Rahmen des Projekts „North Sea Wrecks“ statt.
       Welche Ergebnisse sind bei dem Projekt herausgekommen? 
       
       Wir sind ein Pionierprojekt und schauen uns vor allem die Umweltgefährdung
       durch Stoffe wie TNT an. Unsere Forschung steht noch am Anfang. Unser Ziel
       mit der Wanderausstellung ist es aufzuklären und zum Handeln zu bewegen,
       dass mehr passiert. Unser Projekt ist damit ein wichtiger Beitrag für den
       Meeresschutz.
       
       11 Aug 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pia Tönnissen
       
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