# taz.de -- heute in hamburg: „Es muss umgesteuert werden“
       
       Interview Arne Matzanke
       
       taz: Cansu Özdemir, gab es jemals eine bessere Zeit, Millionär:in zu
       sein? 
       
       Cansu Özdemir: Es ist zumindest eine sehr gute Zeit, Millionär:in und
       Milliardär:in zu sein. Gerade im Bezug auf die Steuerpolitik kommen
       sehr reiche Menschen heutzutage gut davon.
       
       Die Linke will hohe Einkommen stärker besteuern. Darf es sich nicht mehr
       lohnen, reich zu sein? 
       
       Natürlich wird es sich auch weiterhin lohnen, reich zu sein. Allerdings
       waren Einkommen und Vermögen noch nie so ungleich verteilt wie heute. Wenn
       wir beispielsweise von einer Vermögensabgabe reden, die die Folgen der
       Coronapandemie abfedern soll, bewegt sich die steuerliche Belastung
       zwischen 0,7 und 1,5 Prozent für Spitzenverdiener:innen. In einem Zeitraum
       von 20 Jahren würde die Belastung für wohlhabendere Menschen minimal sein,
       während 310 Milliarden Euro für soziale Projekte zur Verfügung stünden.
       
       Warum ist es schlecht, wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter
       aufgeht? 
       
       Für mich gibt es zwei wichtige Aspekte: Einerseits zeichnet sich eine
       starke Demokratie durch die Teilhabe aller Menschen aus. Teilhabe ist für
       Menschen mit geringem Einkommen ein Luxus. Da muss umgesteuert werden.
       Andererseits geht es um Generationengerechtigkeit. Häufig wird
       argumentiert, dass im Sinne der folgenden Generationen die Schulden getilgt
       werden müssten. Was bringt die Tilgung von Schulden aber, wenn wir
       zukünftigen Generationen eine sozial gespaltene und kaputtgesparte
       Gesellschaft hinterlassen? Gelder, die gegen soziale Ungleichheit und gegen
       den Klimawandel wirken, sind Zukunftsinvestitionen – an denen darf nicht
       gespart werden.
       
       Gehen Menschen mit viel Geld dann nicht einfach ins Ausland? 
       
       Das ist Geschrei ohne Substanz. So stark wirken unsere Forderungen nicht.
       Die allermeisten leben gern hier – auch wenn sie mehr Abgaben haben. Und
       die Allerreichsten haben das Land steuermäßig sowieso schon verlassen. Da
       gibt es noch wichtige Aufgaben der Steuerfahndung.
       
       Wie wollen Sie in Hamburg gegen soziale Ungleichheit vorgehen? 
       
       Wir fordern in der Bürgerschaft eine Antiarmutsstrategie. Auch in den
       letzten Jahren stieg die Armutsgefährdungsquote. Wir schlagen ein Bündel
       von Maßnahmen vor, um diese Quote zu senken: mehr Unterstützung, mehr
       Teilhabe, mehr Investitionen.
       
       Vortrag „Mit Steuern umsteuern. Reichtum umverteilen“: 19.30 Uhr, United
       Scene Studio, Gaußstraße 190a
       
       3 Aug 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Arne Matzanke
       
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