# taz.de -- Miete rauf statt Miete runter
       
       > Das Centro Sociale soll künftig mehr Miete zahlen und sieht dadurch seine
       > Stadtteilarbeit bedroht
       
       Von Simeon Laux
       
       Das Centro Sociale im Karovietel soll nach Vorstellung der Finanzbehörde
       mehr Miete zahlen. Statt der bisherigen 5,72 Euro pro Quadratmeter sollen
       künftig 6,50 Euro für das Stadtteilzentrum fällig sein. Und das, obwohl der
       Initiative ursprünglich eine Mietminderung von einem Euro pro Quadratmeter
       in Aussicht gestellt worden war. Die Ehrenamtlichen des Centro machen nun
       in einem offenen Brief auf ihre Situation aufmerksam.
       
       Schon seit Herbst 2019 befindet sich der Vorstand der Initiative demnach in
       Verhandlungen mit der Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg), die
       Treuhänderin der Immobilie ist. Denn: Ende 2019 lief der auf zehn Jahre
       befristete Mietvertrag aus. Seitdem kann dem Zentrum binnen sechs Monaten
       gekündigt werden.
       
       Das genossenschaftlich organisierte Centro, das sich als unabhängiger
       Nachbarschaftstreff versteht, wollte eine langfristige Nutzung und damit
       Planungssicherheit für seine Arbeit erwirken. Regelmäßig finden dort
       Veranstaltungen statt, etwa Akrobatik für Kinder und Jugendliche, Flamenco
       oder Gesang. Auch andere Vereine können die Räumlichkeiten gegen Entgeld
       für ihre Arbeit nutzen.
       
       ## Plötzliche Kehrtwende
       
       Laut dem Centro hat die Steg Ende 2019 dem Zentrum eine langfristige
       Laufzeit sowie die Minderung der Miete angeboten. Danach sei man aber über
       Monate hinweg hingehalten worden. Letztlich zog die Steg ihr Angebot laut
       dem Centro zurück – ohne Genehmigung der Finanzbehörde sei eine
       Entscheidung nicht möglich. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD)
       unterbreitete der Initiative daraufhin einen Vorschlag, der zur
       Überraschung der Ehrenamtlichen eine Erhöhung der Miete vorsieht. „Wir
       waren eigentlich ziemlich sicher, dass wir ein anderes Angebot bekommen“,
       sagt Sabrina vom Aufsichtsrat der Initiative.
       
       „Nach insgesamt über zwei Jahren Verhandlung empfinden wir das als Affront
       und werden es nicht akzeptieren“, schreibt die Initiative in ihrem offenen
       Brief. „Wir machen das in unserer Freizeit. Ohne Bezahlung. Eine
       Mieterhöhung würde unsere Belastung enorm erhöhen“, sagt Sabrina vom
       Aufsichtsrat.
       
       ## Centro lässt nicht locker
       
       Finanzsenator Dressel erklärt gegenüber der taz, der rechtliche Spielraum
       sei begrenzt: „Weniger als 6,50 Euro pro Quadratmeter dürfen wir aus
       haushaltsrechtlichen Gründen nicht veranschlagen.“ Seine Behörde teilt mit,
       die ortsüblichen Gewerbemieten lägen bei etwa 11,50 Euro – und damit
       deutlich höher.
       
       Das Centro Sociale lässt aber nicht locker und fordert weiter eine
       Vertragslaufzeit von 20 Jahren sowie die ursprünglich zugesagte
       Mietminderung. Das linke Zentrum hat Senator Dressel zu einem runden Tisch
       einladen – aus seiner Behörde heißt es, man sei gesprächsbereit.
       
       30 Jul 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simeon Laux
       
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