# taz.de -- heute in bremen: „Dann wird das Parlament gelost“
       
       Interview Jasmin Koepper
       
       taz: Herr Gerhards, wie passen Oper und Rap zusammen? 
       
       Tim Gerhards: Wir haben es zusammenpassend gemacht. Die Oper ist der
       Handlungsrahmen. Alle Textpassagen sind gereimt, aber werden nicht
       gesungen, sondern von den drei Darstellenden gerappt. 
       
       Das Stück heißt Demarchie – was ist das? 
       
       Demarchie ist eine demokratische Regierungsform. Auf kommunaler Ebene gibt
       es das zum Teil und auch die Griechen haben das schon ausprobiert. Menschen
       im Parlament und Amtsträger:innen werden nicht durch Wahlen, sondern
       durch das Losverfahren bestimmt. Menschen, die im Umkreis des Ortes wohnen,
       kommen in den Lostopf und dann wird das Parlament gelost.
       
       Warum könnte man das wollen? 
       
       In unserer Geschichte funktioniert es so, dass es einen fiktiven Staat
       gibt, in dem Monarchie herrscht. Als die Tochter Thronfolgerin werden soll,
       denkt sie, dass sie das nicht kann und entscheidet sich, die Demarchie
       einzuführen. Interessant daran ist, dass sich Menschen dann mit politischen
       und gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzten, auch wenn sie das sonst
       nicht gerne tun. Das stärkt die generelle politische Bildung von allen und
       könnte sich eindämmend auf Rechtsextremismus auswirken, wenn es weniger
       Politikverdrossenheit und Unverständnis gäbe. Menschen, die gerne viel
       Macht wollen, kommen nicht automatisch an die Macht. Und manche Menschen,
       die sonst nicht viel mit Politik zu tun haben, merken vielleicht, dass das
       doch ganz cool ist.
       
       Würden Sie gerne in einer Demarchie leben? 
       
       Ich weiß es nicht. Es ist ja eine Utopie. Dafür spricht aus statistischer
       Sicht automatisch ein ausgeglichenes Parlament. Wenn verschiedenste
       Menschen zusammensitzen, das ist das Optimum. Auf der anderen Seite fehlt
       bei den Menschen politischer Sachverstand und die Erfahrung von Arbeit im
       Parlament. Für mich ist es keine Frage von ja oder nein, sondern eine Frage
       des „Wie“.
       
       Wie ist die Idee für das Stück entstanden? 
       
       Zuerst kam die Idee, eine Rapgruppe zu machen. Dann haben wir geschaut,
       worum kann es inhaltlich gehen. Unser Ziel war es, etwas zu schreiben, was
       Menschen zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Handelns anregt.
       
       Wer ist unperform? 
       
       Wir sind ein Performer:innenkollektiv und ein gemeinnütziger Verein
       und arbeiten seit etwa fünf Jahren zusammen in freien Projekten. Unser Ziel
       ist es, noch nicht ausprobierte künstlerische Formen zu erforschen, wie
       diese Kombination aus Rap und Oper.
       
       21 Jul 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Koepper
       
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