# taz.de -- corona in bremen: „Jeder wollte einen Hund haben“
       
       Interview Lukas Door
       
       taz: Frau Schwab, wird das Bremer Tierheim mit Ende des Homeoffice bald
       überfüllt sein?
       
       Gaby Schwab: Das Bremer Tierheim hat schon seit etwa drei Wochen einen
       Aufnahmestopp, weil wir so voll sind. Das hat aber mehr mit dem illegalen
       Hundehandel aus der Coronazeit zu tun als mit Abgabetieren. Im Moment
       können wir nur Notfälle aufnehmen. Aber es ist natürlich zu befürchten,
       dass noch viele Leute ihre Tiere loswerden wollen.
       
       Weshalb hat der illegale Hundehandel in der Pandemie so zugenommen? 
       
       Jeder wollte einen Hund haben. Der Hundeboom war in aller Munde. Leider
       handelten viele Menschen unüberlegt, weswegen wohl einige Hunde wieder
       abgegeben werden. Die Hunde, die wir hingegen vermittelt haben, bleiben
       auch bei ihren Besitzern, weil wir eben vorher prüfen, was mit den Tieren
       nach Corona und Homeoffice passiert.
       
       Ihre Überfüllung kommt also nicht von Abgaben? 
       
       Nein, unsere Überfüllung kommt aus Sicherstellungen, hauptsächlich von
       Fällen aus dem illegalen Hundehandel, die aufgeflogen sind. Diese Tiere
       kommen dann erst einmal zu uns, können aber erst weitervermittelt werden,
       wenn die rechtlichen Verfahren abgeschlossen sind.
       
       Was sind die größten Missstände? 
       
       Die Hunde sind meist in einem katastrophalen Zustand. Häufig werden sie
       viel zu früh von der Mutter entfernt oder nicht vernünftig aufgezogen. Oft
       sind sie auch nicht richtig geimpft. 90 Prozent der Welpen aus illegalem
       Welpenhandel sind krank. Da kommen dann immense Tierarztkosten auf einen
       zu. Dessen muss man sich bewusst sein.
       
       Wird bei der Hundebeschaffung also zu kurzsichtig gehandelt? 
       
       Ja! Die Leute, die wirklich einen Hund haben wollen, gehen zum Tierheim
       oder zu anderen Tierschutzorganisationen. Die prüfen, wie die Situation für
       die Hunde wäre und ob diese Menschen den Hund langfristig pflegen können.
       Diejenigen, die bei diesen Stellen keinen Hund bekommen, kaufen ihr Tier
       dann stattdessen bei eBay und Co. Und diese Tiere kommen zum Großteil aus
       illegalem Handel.
       
       Wie schützt man diese illegal gehandelten Tiere? 
       
       Indem man sie auf gar keinen Fall kauft. Dann haben die Händler auch keinen
       Markt.
       
       Fehlt die Aufklärung über dieses Thema? 
       
       Es fehlt nicht die Aufklärung, sondern die Empathie. Man will in den Urlaub
       oder die Kinder müssen zurück in die Schule und mit einem Mal ist der Hund
       nicht mehr wichtig. Gerade für Hunde ist es schlimm, das Zuhause zu
       verlieren. Hunde sind Rudeltiere, die gehören in die Familie. Und leider
       kann man noch so viel aufklären – vielen ist das schlichtweg egal.
       
       Bei weiteren Fragen an den Bremer Tierschutzverein: ☎0421-35 11 33
       
       8 Jul 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lukas Door
       
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