# taz.de -- Reformprozess bei Eliteeinheit KSK: Führung stellt gutes Zeugnis aus
       
       > Nach den Skandalen beim KSK sollte die Eliteeinheit reformiert werden.
       > Das habe gut geklappt, besagt ein Bundeswehrbericht. Doch es gibt offene
       > Fragen.
       
 (IMG) Bild: Scharfschützen des KSK bei einer Vorführung am Tag der Bundeswehr in Fassberg, Niedersachsen, 2017
       
       Berlin taz | Vor einem Jahr hat die Verteidigungsministerin angekündigt,
       mit einem „eisernen Besen“ beim Kommando Spezialkräfte (KSK) durchzufegen.
       Anlass für Annegret Kramp-Karrenbauers (CDU) Äußerung waren rechtsextreme
       Vorfälle in der Eliteeinheit mit Sitz in Calw. Nun hat der oberste Soldat
       der Bundeswehr aufgeschrieben, was bei dem großen Reinemachen
       herausgekommen ist.
       
       Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, stellt dem
       Reformprozess ein gutes Zeugnis aus. Die „Aufarbeitung der
       Fehlentwicklungen und Missstände sowie umfassende strukturelle
       Veränderungen im KSK“ kämen faktisch einer Neuaufstellung des Verbandes
       gleich, heißt es im [1][Abschlussbericht der „Arbeitsgruppe Kommando
       Spezialkräfte“], den Zorn am Mittwoch vorgelegt hat. Die allermeisten der
       60 Maßnahmen seien bereits umgesetzt.
       
       Eine der auffälligsten Neuerungen: Es wurden neue Dienstposten geschaffen,
       weil es nicht genügend personelle Ressourcen gegeben habe, mit gravierenden
       Folgen: „Überlastung, Frustration, Vorschriftenverstöße sowie schließlich
       die Entstehung weitgehend regelungsfreier Räume.“ Mehr als 50 zusätzliche
       Posten gibt es nun in der Führungsebene des KSK, für Personal und vor allem
       im Bereich der Logistik. Damit soll auch dem äußerst schludrigen Umgang mit
       Munition entgegengewirkt werden. Gegen den Kommandeur der KSK laufen immer
       noch strafrechtliche und disziplinarrechtliche Ermittlungen, weil er eine
       wohl illegale Munitionsamnestie angeordnet hat. Die Verteidigungsministerin
       hat von dieser Aktion angeblich erst erfahren, [2][als die taz Anfang des
       Jahres darüber berichtet hat].
       
       30 zusätzliche Dienstposten gibt es auch für die Ausbildung der
       KSK-Soldaten, die ausgegliedert wurde und nun der Infanterieschule des
       Heeres unterstellt ist. Grundsätzlich soll es nun mehr psychologische
       Begleitung geben. Soldaten, die kürzlich ins KSK versetzt wurden, bekommen
       in einem Lehrgang „Einsteiger in das KSK“ Themen wie
       „Persönlichkeitsbildung“ und „Verfassungstreue“ nähergebracht.
       
       ## Viele Rechtsextremismus-Verdachtsfälle
       
       Das Verteidigungsministerium hatte dem KSK ein „in Teilen ungesundes
       Eliteverständnis“ attestiert, auch einzelnen Führungskräften. Deshalb sei
       nun die Dienstaufsicht verbessert worden. So finde nun einmal im Quartal
       unter Leitung des Inspekteurs des Heeres in Calw ein „Jour Fixe KSK“ statt.
       
       Im Zuge der Reformen wurde 2020 die 2. Kompanie des KSK aufgelöst, weil es
       dort eine „toxische Führungskultur in Verbindung mit fehlgeleitetem
       Eliteverständnis sowie extremistischen Tendenzen“ gegeben habe. Symbol für
       die Problematik ist die Abschiedsfeier des Kompaniechefs 2017, bei der
       Rechtsrock lief und Hitlergrüße gezeigt wurden.
       
       Ein Teilnehmer der Party [3][wurde im März verurteilt], weil er Waffen und
       Bundeswehrmunition zu Hause gehortet hatte; der Oberstabsfeldwebel musste
       die Bundeswehr verlassen. Nahezu alle Soldaten, die zum Zeitpunkt der
       Auflösung noch in der Kompanie waren, sind immer noch im KSK oder in
       angrenzenden Bereichen eingesetzt. Bei ihnen gab es keine Beanstandungen.
       
       Im KSK gibt es überproportional viele Rechtsextremismus-Verdachtsfälle,
       insgesamt 50 seit 2017. Diese sind längst nicht alle abgearbeitet. Sechs
       Soldaten mussten die Bundeswehr bisher verlassen, 18 wurden versetzt oder
       sind freiwillig aus dem KSK ausgeschieden, bei sieben habe sich der
       Verdacht nicht bestätigt. Weil Disziplinarverfahren in der Regel sehr lange
       dauern, wurde ein neuer „Versetzungstatbestand“ eingeführt, damit
       Problemfälle zumindest schneller aus dem KSK entfernt werden können.
       
       ## Prepper finden keine Erwähnung
       
       Auf die verschiedenen rechtsextremen Problemfelder im KSK wird im
       Abschlussbericht nicht eingegangen. Keine Erwähnung findet etwa, dass sich
       mehrere [4][KSK-Soldaten als Prepper auf einen „Tag X“ vorbereitet haben].
       
       Erwähnt wird nur, dass man kein „rechtsextremistisches Netzwerk“ erkannt
       habe, was aber vor allem an der [5][engen juristischen Definition] liegt,
       auf die sich bezogen wird. „Bekannt wurde ein Geflecht von Kontakten und
       Kennverhältnissen unterschiedlicher Art und Intensität zwischen einzelnen
       im Fokus stehenden Personen, welche durch eine übereinstimmende
       Geisteshaltung getragen zu sein scheint und das weiterhin aufgeklärt und
       bearbeitet wird.“
       
       Die Wehrbeauftragte des Bundestages Eva Högl (SPD) hat sich optimistisch
       gezeigt, dass das KSK eine „gute Zukunft“ habe. Im Deutschlandfunk mahnte
       sie aber auch weitere Aufklärung an, etwa, was die „Schweinskopf-Party“ von
       2017 angehe.
       
       Aus Reihen der Opposition kommt Kritik an dem sehr positiv dargestellten
       Reformprozess. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im
       Bundestag Agnieszka Brugger und Tobias Lindner, Sprecher für
       Sicherheitspolitik seiner Fraktion, betonen, dass mit dem Bericht nun kein
       Schlussstrich gezogen werde dürfe. „Dafür sind die nach wie vor offenen
       Fragen zu rechtsextremen Vorfällen und Netzwerken, zum Umgang mit Munition,
       zu fragwürdigen Verträgen und Vergaberechtsverstößen zu groß und
       gravierend“, heißt es in ihrer Erklärung. Die beiden werfen der
       Verteidigungsministerin eine „nachlässige und zögernde Aufklärung“ vor.
       
       Kramp-Karrenbauer will am Montag kommender Woche erneut das KSK in Calw
       besuchen und danach offiziell mitteilen, wie die Zukunft der Spezialeinheit
       aussieht. Gerade ist sie in einem besonderen Einsatz: KSK-Soldaten sichern
       den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.
       
       10 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bmvg.de/de/aktuelles/generalinspekteur-legt-abschlussbericht-ksk-vor-5092704
 (DIR) [2] /Prozess-gegen-KSK-Soldat/!5746319
 (DIR) [3] /Urteil-im-Prozess-gegen-KSK-Soldaten/!5754620
 (DIR) [4] /Franco-A-und-seine-Verbindungen/!5772294
 (DIR) [5] /Rechtsextreme-Soldaten/!5727500
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Erb
       
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