# taz.de -- heute in bremen: „MitErwartungenüberhäuft“
       
       Interview Jasmin Koepper
       
       taz: Herr Bösing, wird Rechtspopulismus zu wenig thematisiert in der
       sozialen Arbeit? 
       
       Eike Bösing: Das Thema wird nicht so behandelt, wie es angemessen wäre.
       Gerade rechtspopulistische Ansichten sind einerseits eine große
       Herausforderung für die soziale Arbeit, wenn etwa Klient:innen mit
       Migrationshintergrund von Ablehnung betroffen sind. Andererseits begegnen
       wir auch Klient:innen, die diese Einstellungen selbst vertreten.
       
       Welchen Beitrag kann die soziale Arbeit zur Eindämmung von Rechtspopulismus
       leisten? 
       
       Oft wird gerade die soziale Arbeit mit unrealistischen Lösungserwartungen
       überhäuft. Rechtspopulismus ist ein Symptom tiefgehender gesellschaftlicher
       und politischer Probleme, das nicht so einfach gelöst werden kann. Der
       Auftrag der sozialen Arbeit ist eher Arbeit im Sozialen und Bildungsarbeit,
       indem sich Sozialarbeitende mit ihren Klient:innen richtig verhalten.
       
       Was ist ihre Motivation sich mit dem Thema auseinanderzusetzen? 
       
       Ich bin selber auch Sozialarbeiter und in meiner beruflichen Praxis schon
       einigen Klient:innen mit rechtspopulistischen Einstellungen begegnet.
       Als Sozialarbeitender hat man die Aufgabe, Unterstützung zu geben.
       Allerdings ist das manchmal schwierig, wenn die eigenen Werteeinstellungen
       ganz anders sind, als die der Klient:innen.
       
       Wie gehen Sie damit um? 
       
       In der sozialen Arbeit begegnen wir immer wieder Menschen, die andere
       Vorstellungen in der Lebensführung haben. Das passiert nicht nur im Kontext
       von Rechtspopulismus. Dann ist es wichtig den Menschen mit Anerkennung zu
       begegnen, unabhängig von deren politischen Einstellungen. Sonst wird
       soziale Arbeit kaum möglich.
       
       Sollte es mehr Fortbildung zum Rechtspopulismus für Sozialarbeitende geben? 
       
       Es ist wichtig die eigenen Vorannahmen zu hinterfragen, Menschen mit
       Anerkennung zu begegnen und sich zurück zu besinnen auf die Grundlagen
       sozialer Arbeit, was auch die Menschenrechte umfasst. Sicherlich wären
       Fortbildungen nicht schlecht. Allerdings ist es noch wichtiger, diese
       Themen an die Hochschulen zu bringen, dort wo die künftigen
       Sozialarbeitenden ausgebildet werden. An der Hochschule Bremen passiert das
       schon.
       
       16 Jun 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Koepper
       
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