# taz.de -- Dating in der Pandemie: Als Corona monogam machte
       
       > Corona hat Distanz geschaffen. Statt mit Dates, sprach unsere Kolumnistin
       > mit ihren Pflanzen. Doch es gibt Hoffnung auf Nähe.
       
 (IMG) Bild: Langsam gehen die Gesprächsthemen mit den Pflanzen aus
       
       Wenn wir ehrlich sind, hatten [1][klassische monogame Beziehungen] vor der
       Pandemie einen mittelmäßigen Ruf. Sie galten bei vielen als spießig,
       langweilig und nicht mehr zeitgemäß. Vielleicht spreche ich nur aus meiner
       Berliner Bubble heraus, aber nach und nach kristallisieren sich andere,
       vermeintlich aufregendere Beziehungsmodelle heraus.
       
       Links und rechts von mir merkte ich die Entwicklung. Einige Freunde wagten
       offene Beziehungen, andere setzten eher auf Freundschaft-Plus-Modelle und
       viele trennten sich von langjährigen Partner*innen. Die Rapperin Megan Thee
       Stallion sang vom Hot Girl Summer und alle brachten sich in Stellung
       (sorry).
       
       Dann kam Corona. Anfangs dachten wir ja alle, dass es zwei Wochen
       Homeoffice, Netflix und chillen bedeutet. Die Ernüchterung folgte schnell:
       Miss Rona is here to stay. Monate später hatte sich unsere Sprache
       verändert: Wir redeten selbstverständlich von Inzidenzwerten,
       Abstandsregeln und Hygienekonzepten. Lockdown light, harter Lockdown und
       Brücken-, und Wellenbrecherlockdown wurden Teil unseres Vokabulars. Auch
       unsere Gewohnheiten veränderten sich: „Maske, Handy, Schlüssel“, sagen wir
       jedes Mal laut, bevor wir das Haus verlassen.
       
       Ich persönlich rede seit der Pandemie sehr viel mehr mit mir selbst (und
       meinen Pflanzen). Ich kenne jedes Testzentrum in meiner Nähe (praktisch,
       weil alle vier Stunden ein neues aufmacht), bin versiert in Selbsttests und
       kenne jede Ecke in meiner Nachbarschaft, die sich zum Spazierengehen
       eignet. Es liegt nahe, dass sich auch [2][unsere Art zu daten] verändert.
       Viele Orte, an denen man sich früher zum Date getroffen hat, sind nicht
       mehr zugänglich. Natürlich gibt es Alternativen zu Kino, Restaurant und
       Bar, aber ein romantisches Candlelight-Dinner beim Lieblingsitaliener lässt
       sich auch mit viel Fantasie schlecht durch ein kleines Picknick auf einer
       Parkbank bei 5 Grad ersetzen.
       
       ## Monogam voll im Kurs
       
       Im Sommer 2020 ging man mit neuen Bekanntschaften spazieren, Eis essen und
       saß viel an Berliner Ufern rum. Für einen kurzen Augenblick fühlte es sich
       gar nicht so schlimm an. Im Herbst war es schlagartig vorbei mit diesem
       vorsichtigen Optimismus. Hot Girl Fall klingt eben auch ganz anders als Hot
       Girl Summer. Ab November 2020 waren viele plötzlich in (monogamen)
       Beziehungen. Aufmerksame Leser*innen dieser Kolumne kennen [3][das
       Phänomen „Cuffing Season“].
       
       Im Herbst letzten Jahres wurde Cuffing Season auf die Spitze getrieben. Wer
       sich kein*en Partner*in schnappen konnte, legte sich einen Hund zu oder
       die siebte Monsterapflanze fürs Wohnzimmer. Plötzlich waren (monogame)
       Beziehungen wieder hoch im Kurs. Mal schauen, wie lange das hält und wie
       dieser Sommer wird. Der Impffortschritt und die rückläufige Inzidenz lassen
       darauf hoffen, dass 2021 zumindest ein Hot Girl Fall möglich ist. Ich
       hoffe, denn langsam gehen mir die Gesprächsthemen mit meinen Pflanzen aus.
       
       2 Jun 2021
       
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