# taz.de -- Klage gegen Querdenken-Polizist: Umstürzler „mit Herz und Hirn“
       
       > Die Polizei Hannover will einen Kollegen loswerden, der auf
       > Querdenken-Demos spricht. Im Netz bekommt der Kommissar prominente
       > Unterstützung.
       
 (IMG) Bild: War Einbruchsexperte bei der Polizei Hannover: Michael Fritsch
       
       Hannover taz | Bei Telegram fantasiert er als selbst ernannter „Schutzmann
       mit Herz und Hirn“ vom bewaffneten Umsturz. Sein Arbeitgeber, die Polizei,
       möchte den 57-jährigen Kriminalhauptkommissar Michael Fritsch deshalb gern
       loswerden. Nach neun Monaten Ermittlungen hat die Polizei Hannover nun
       Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. [1][Fritsch soll den
       Beamtenstatus verlieren.] Das Vertrauen zu dem Einbruchschutzspezialisten
       sei unwiederbringlich beschädigt, hieß es von einer Sprecherin der
       Polizeidirektion gegenüber dem NDR.
       
       Fritsch ist seit August vergangenen Jahres freigestellt, nachdem er bei
       einer Querdenken-Demonstration sprach. Dort gab er sich als Polizeibeamter
       zu erkennen. Als solcher war er auch für ein [2][Sicherheitsgutachten in
       der Liberalen Jüdischen Gemeinde] Hannover zuständig.
       
       In der Telegram-Gruppe „Soldaten und Reservisten“ erklärte er in einer
       Sprachnachricht, es müsse sicher sein, dass, wenn die Regierung abgesetzt
       werde, die militärische Einheit die Kontrolle übernehme und mit der Polizei
       für Frieden auf den Straßen sorge. In Bildern gesprochen wolle er das „alte
       marode und morsche Gebäude abreißen, (…) damit wir was Neues aufbauen
       können“. Gegenüber der taz wollte sich Fritsch nicht äußern. Was das „Neue“
       sei, werde er verkünden, wenn es so weit sei.
       
       ## Prominenter Unterstützer
       
       Prominente Online-Unterstützung erfährt Fritsch durch den emeritierten
       Professor der [3][Leibniz-Uni Hannover, Stefan Homburg]. In einem Tweet
       verteidigte der ehemalige Leiter des Finanzinstituts Fritsch und sagte, die
       Meinungsfreiheit werde beseitigt. „Es beginnt mit Existenzvernichtung und
       endet im Gulag“, sagt Homburg. Auf Kundgebungen unterhielten sich die
       beiden, das belegen Fotos.
       
       Fritsch, dem 12.000 Menschen auf Telegram folgen, gilt als Vorredner der
       verschwörungsideologischen Szene. In Behördendeutsch ordnet er
       Polizeieinsätze bei Großdemos ein, um seine Follower*innen mit seiner
       vermeintlichen Expertise zu begeistern. Fritsch gibt sich proletarisch
       bürgernah – ist meist im weit aufgeknöpften Camp-David-Hemd und mit
       Goldkette unterwegs. Er will für die Partei „Die Basis“ in den Bundestag
       einziehen.
       
       Ob Fritsch trotz seiner Äußerungen seinen Beamtenstatus behalten darf, muss
       nun das Verwaltungsgericht entscheiden. Einen Verhandlungstermin gibt es
       noch nicht.
       
       29 May 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Trammer
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