# taz.de -- „Ich hab das Gefühl, dass sich viele über die Aufgaben freuen“
> Der Hamburger Sportlehrer Nils Tegtmeyer über die Geheimnisse guten
> Online-Sportunterrichts
Interview Isabella Boor
taz: Herr Tegtmeyer,wie bauen Sie Ihren Sportunterricht online auf?
Nils Tegtmeyer:Wir haben momentan immer einen Teil im Videounterricht. Das
ist in der Regel ein gemeinsames Work-out, ein paar Fitnessübungen und ein
paar Kraftübungen. Das sind Aufgaben, die Spaß machen und motivieren
sollen.
Welche Aufgabe war für die Schüler die schwerste?
Wir haben in einigen Klassen versucht, verschiedene Weltrekorde gemeinsam
zu knacken, wie den Plank-Weltrekord, also den Weltrekord im Unterarmstütz.
Das hat mir persönlich viel Spaß gemacht und das kam in den Lerngruppen,
glaube ich, sehr gut an. Der Weltrekord für die längste Zeit im Planking
liegt bei über acht Stunden, also fast 30.000 Sekunden. Trotzdem ist es
einer Klasse gelungen, ihn zu brechen. Das lag vor allem an der letzten
gemeinsamen Videostunde, in der insgesamt über 10.000 Sekunden zusammen
„geplankt“ wurden.
Haben Sie das Gefühl, dass die Schüler die Aufgaben erledigen, wenn sie sie
eigentlich nur bestätigen müssen, ohne zu beweisen, dass sie sie wirklich
gemacht haben?
Die Aufgaben ohne Video sind bei mir eher solche Aufgaben wie: „Beschreibe
dein selbstgewähltes Ausdauertraining. Was für Übungen hast du dabei
ausgewählt und warum?“ Ich habe schon das Gefühl, dass viele sich über die
Aufgaben freuen und sie auch bearbeiten. Aber ich kann mir bei einigen auch
denken, dass sie da ein bisschen flunkern und vielleicht die Antwort, die
sie da geben, nicht ganz ehrlich ist.
Würden Sie die Aufgabe machen, wenn Sie nur bestätigen, aber nicht beweisen
müssten, dass sie sie gemacht haben?
Es kommt ein bisschen darauf an, was es für eine Aufgabe wäre: Wenn ich
darauf Lust hätte, würde ich die bestimmt auch so machen. Wenn das etwas
ist, worauf ich persönlich keine Lust hab oder wenn ich zu dem Zeitpunkt
gerade rausgucke und sehe, dass es regnet: Dann würde ich vielleicht auch
mal anklicken, dass ich es gemacht habe, ohne dass ich es wirklich gemacht
habe.
Glauben Sie, die Schüler und Schülerinnen fühlen sich durch die Kamera
eingeschränkt?
Ich hab das Gefühl, das hängt ganz stark davon ab, mit was für einer
Klassengemeinschaft du arbeitest. Wenn die Klassenkameraden und
Klassenkameradinnen sich vertrauen, haben auch mehr Schülerinnen und
Schüler Lust, die Kamera anzuschalten. In der Regel finden sich aber immer
ein paar Freiwillige, die bereit sind, ihre Kamera anzuschalten.
Diejenigen, die sich damit weniger wohl fühlen, können dagegen im
Hintergrund bleiben, und es entsteht trotzdem das Gefühl einer
gemeinschaftlichen Trainingseinheit. Aber das ist natürlich ein Risiko und
deswegen gilt bei uns im Videounterricht auch immer, dass es kein Zwang
ist. Ich hoffe natürlich, dass sie dann auch mitmachen und fleißig ins
Schwitzen kommen, kontrollieren kann ich das aber nicht.
Aus welchen Gründen würden Sie den Schülern und Schülerinnen raten,
konsequent mitzumachen?
Also, im Moment sitzen wir einfach ganz viel und die Alltagsbewegung fällt
ja schon weg. Viele Sportvereine haben momentan geschlossen oder nur
eingeschränkte Programme. All das, was wir zwischen den Pausen in der
Schule haben: zwischen zwei Stunden oder in der Stunde, wenn wir kurz
aufstehen, um von einer Einzelarbeitsphase in eine Gruppenarbeitsphase zu
wechseln, gar nicht mal so bewusst, aber all diese Sachen fallen momentan
weg. Ich denke, dass ist ein Problem. Ein weitere Punkt ist, dass das
stundenlange In-den-Bildschirm-Starren irgendwann ermüdend ist. Das merke
ich selbst auch, dass ich dann am Abend einfach groggy bin.
8 May 2021
## AUTOREN
(DIR) Isabella Boor
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