# taz.de -- Fußball-Erstligist Gladbach in der Krise: Zeit für Korrekturen
       
       > Seit der Verkündung von Marco Roses Abschied verliert Gladbach nur noch.
       > Gegen Schalke soll nun ein Sieg her – ein neues Ziel ist schon vor Augen.
       
 (IMG) Bild: Sorge um die richtige Haltung: Das Gladbacher Team lässt Marco Rose derzeit altern
       
       Aus dem Kollegenkreis bekommt Max Eberl aktuell immer mal anerkennende
       Kommentare. Dass er Gladbachs Cheftrainer Marco Rose trotz einer fast schon
       vereinshistorischen Negativserie nach wie vor seinen Job machen lässt, ist
       keine Selbstverständlichkeit. Zuletzt lobte Jörg Schmadtke, ein gebürtiger
       Rheinländer, die Standhaftigkeit des Rautenklubs [1][und von dessen
       Sportdirektor Eberl] – in seiner Rolle als Sport-Geschäftsführer des VfL
       Wolfsburg. Das ist der Verein, gegen den Roses Team zuletzt gepunktet hat.
       Mitte Februar, bei einem unspektakulären 0:0.
       
       Am Tag danach wurde bekannt, dass Rose sein im Sommer 2019 begonnenes Werk
       am Niederrhein abbrechen und nach der Saison zum Ligakonkurrenten Dortmund
       wechseln wird. Seitdem hat Gladbach sieben Spiele absolviert – und alle
       sieben verloren. Viermal in der Liga, im Viertelfinale des DFB-Pokals
       (dummerweise gegen den BVB), plus zweimal bei den komplett chancenlosen
       Auftritten in der Champions League gegen Manchester City.
       
       Teil zwei der Königsklassenvorführung durch Pep Guardiolas Citizens fand am
       Dienstagabend in Budapest statt. Rose plädierte anschließend dafür,
       zwischen den Leistungen und den Ergebnissen seiner Mannschaft in der
       jüngeren Vergangenheit zu unterscheiden. Unter seinen Getreuen war Yann
       Sommer („Das geht manchmal etwas unter“) immerhin bereit, die
       internationalen Darbietungen der Gladbacher in dieser Saison zu würdigen.
       Doch dann merkte Borussias Schweizer Schlussmann auch an: „Sieben Pleiten –
       das kann man nicht wegdiskutieren.“
       
       Schon gar nicht mehr, sollte am Samstagabend Nummer acht folgen: beim FC
       Schalke 04, als abgeschlagener Tabellenletzter gerade auf dem Weg in die
       Zweite Liga. „Das wird ein sehr hartes Spiel“, ahnt Sommer, der der Ansicht
       ist, dass das Team „nach den letzten Wochen einiges schuldig“ ist. In
       allererster Linie dies: „Wir müssen wütend sein und uns gegen die Situation
       wehren.“
       
       Rose behalf sich angesichts der auch für ihn belastenden Situation mit dem
       persönlichen Rückblick, in seinem Leben schon andere Krisen gemeistert zu
       haben. Oder indem er sich, wie vor dem zweiten Duell mit Manchester City,
       vergegenwärtigte, dass es „auf diesem Planeten viel, viel schlimmere Dinge
       gibt“ als die momentane Lage der Borussia. Mit beiden Erkenntnissen liegt
       der gebürtige Leipziger sicher richtig. Andererseits interessiert es seinen
       Noch-Arbeitgeber aber schon, was bis zum Gladbacher Saisonfinale am 22. Mai
       in Bremen noch passiert.
       
       ## „Rose raus“-Aufkleber
       
       Als viertschlechteste Rückrunden-Mannschaft ist Roses Ensemble inzwischen
       in die untere Tabellenhälfte abgerutscht. Es droht die schwächste Spielzeit
       seit dem Fast-Abstieg vor zehn Jahren – ein Szenario, dem Sportchef Eberl
       nun mit einem überarbeiteten Saisonziel entgegentrat. Der gebürtige
       Niederbayer hat [2][die zur nächsten Saison frisch eingeführte Europa
       Conference League] zum neuen Objekt der VfL-Begierde erklärt, am Freitag
       meinte er dazu: „Manche böse Stimmen sagen sogar dritte Liga, weil die
       Europa League schon die zweite Liga bedeutet. Ich finde das ein bisschen
       despektierlich.“
       
       Wird entweder Dortmund oder Leipzig Pokalsieger genügt zum Erreichen des
       dritten kontinentalen Wettbewerbs nach derzeitigem Stand Platz sieben in
       der Bundesliga. Den hat aktuell Union Berlin inne, mit fünf Punkten
       Vorsprung auf Gladbach.
       
       Gegen die von Torwart Sommer eingeforderten Emotionen dürfte auch der
       mäßigende, auf Ausgleich und Differenzierung pochende Marco Rose nichts
       einzuwenden haben. „Wir wollen das Spiel mit aller Macht und Klarheit
       angehen und gewinnen“, betonte der 44-Jährige am Tag vor der Partie in
       Gelsenkirchen. Denn klar ist: „Es wird Zeit, dass wir uns da das Ergebnis
       holen.“
       
       Im Falle einer Niederlage, drängte sich dann mehr denn je die Frage auf, ob
       Rose – dessen Nachfolger Jesse Marsch (momentan Salzburg) oder Gerardo
       Seoane (Young Boys) werden könnte – tatsächlich bis Ende Mai weitercoachen
       darf.
       
       Gedanklich ist der künftige BVB-Trainer jedenfalls längst in den kommenden
       Wochen. „Nach dem Schalke-Spiel haben wir eine Länderspielpause und dann
       noch acht Spiele. In denen haben wir die Chance, ein paar Dinge zu
       korrigieren.“ Es wird wirklich Zeit. Ampeln und Laternen rund um den
       Borussia-Park sind mit dem Aufkleber „Rose raus“ versehen.
       
       20 Mar 2021
       
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