# taz.de -- Joachim Löws Zukunftsvisionen: Explosion im Kopf
       
       > Seinen Rücktritt als Bundestrainer verbindet Jogi Löw mit einem Auftrag
       > an den Nachfolger. Die EM 2024 in Deutschland müsse der Knaller werden.
       
 (IMG) Bild: „2024 sehe ich mich nicht mehr“: Joachim Löw am Donnerstag in der Frankfurter DFB-Zentrale
       
       Nach seiner Entscheidung, am Ende der EM im Sommer nicht mehr als
       Bundestrainer zur Verfügung zu stehen, gab Joachim Löw am Donnerstag in
       Frankfurt [1][eine Pressekonferenz], in deren Verlauf er nicht nur Dank und
       Huldigungen vom DFB-Präsidenten Fritz Keller und DFB-Direktor Oliver
       Bierhoff entgegennahm, sondern auch in der Rolle des Geburtshelfers für
       einen Erfolg bei der Heim-EM 2024 im eigenen Land brillierte.
       
       Löw, 61, gab an, mehrere Tage in sich gegangen und vor etwa zwei, drei
       Wochen zu der Erkenntnis gelangt zu sein, den Weg frei machen zu müssen für
       einen Nachfolger, damit der genug Zeit habe, das Nationalteam wieder
       titeltauglich zu machen. „Es ist eben auch der richtige Zeitpunkt, den Stab
       weiterzugeben“, sagt Löw, der mit sich im Reinen schien. Der Neue hätte
       somit drei Jahre Zeit, den von Löw 2019 eingeleiteten Umbruch so zu
       gestalten, dass es „beim Turnier im eigenen Land zu einer Explosion führt“.
       
       Bumm – Löw schien die Triumphbilder einer jubelnden DFB-Elf schon vor Augen
       zu haben, als er sagte: „[2][Vielleicht will ich die EM 2024 auch mal aus
       einer anderen Perspektive sehen.“] Zurückgelehnt und ohne die drückende
       Last der Verantwortung. Die Kraft, noch einmal den Kahn als Treidler an
       einen neuen Bestimmungsort zu ziehen, scheint er nach 15 Jahren im Amt
       nicht mehr zu haben: „Ich sehe mich 2024 nicht mehr.“ Das solle aber nicht
       heißen, dass er nicht mit der üblichen Leidenschaft das EM-Turnier in
       wenigen Wochen angehe; er sei, was dieses Event betreffe, schon „im
       Tunnel“.
       
       ## Keine Eile in der Nachfolgefrage
       
       Während Löw seinem Abgang eine ordentliche Prise Altruismus – und
       eigentlich auch Patriotismus – beimischte, wollte Oliver Bierhoff, sein
       alter Kompagnon, noch nichts verraten über mögliche Nachfolgekandidaten,
       deren Bewerbungsmappen über seinen Tisch wandern. Der DFB wolle sich Zeit
       lassen, womöglich wird der neue Bundestrainer sogar erst nach der EM
       bekanntgegeben. Er, Bierhoff, werde auch keine Entscheidung „nach
       Umfragewerten“ treffen.
       
       Es gebe im Ausland, im Inland und im DFB hervorragende Trainer, sagte der
       ehemalige Stürmer. Abgesagt haben bislang Jürgen Klopp (FC Liverpool) und
       Julian Nagelsmann (RB Leipzig), sein Interesse bekundete indes Ralf
       Rangnick, der im Universum des Brausegiganten Red Bull diverse
       Führungspositionen innehatte. Gut im Rennen scheint auch Stefan Kuntz, der
       sich als Übungsleiter um die Eleven der U21 kümmert.
       
       Löw ließ erkennen, dass er sich als Souverän von Fußball-Deutschland
       verabschieden wird. „Ein Trainer wie ich“, sagte er, „trifft seine
       Entscheidungen nicht danach, wie sie in der Öffentlichkeit ankommen.“
       
       11 Mar 2021
       
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