# taz.de -- Olympia und die Zigarette: Wenn sich der Rauch lichtet
       
       > Haben Olympiaveranstalter jemals Sponsorengeld der Tabakindustrie
       > angenommen? Und wie. Ein Blick in die Geschichte offenbart Erstaunliches.
       
 (IMG) Bild: Ab in den Ascher: Das IOC lässt seit 1980 keine Tabakkonzerne mehr zum Zug kommen
       
       Der Druck auf Tokio ist groß. [1][81 Unternehmen geben Geld] an die Spiele.
       Sie wollen im Sommer eine Gegenleistung erhalten. In den Führungsetagen von
       A wie Alibaba bis Y wie Yomiuri Shimbun erwartet man, dass die Spiele,
       unter welchen Bedingungen auch immer, durchgezogen werden. Und dann sind da
       noch die Fernsehanstalten, die milliardenschwere Rechte erworben haben.
       
       Deren Anteil am [2][Umsatz des Internationalen Olympischen Komitees] lag in
       der Periode von 2013 bis 2016 bei 73 Prozent. Die sogenannten TOP-Sponsoren
       steuerten hingegen nur 18 Prozent bei. Der Anteil könnte womöglich ein
       bisschen höher sein, wenn das IOC nicht auf Werbeeinnahmen verzichten
       würde, die, nun ja, ein wenig anrüchig sind – und zwar im doppelten Sinne.
       Im Sport geht es vorgeblich um mens sana in corpore sano, um einen gesunden
       Geist in einem gesunden Körper. Da zeigt man der Tabakindustrie lieber die
       kalte Schulter.
       
       „Die Olympischen Spiele haben niemals Gelder der Tabakindustrie angenommen,
       weder für Werbung noch Sponsoring“, [3][schreibt das Deutsche
       Krebsforschungszentrum in Heidelberg] in einer Broschüre zum Rauchen. Was
       hier so apodiktisch behauptet wird, stimmt nur zum Teil, denn die
       Olympiaveranstalter vor Ort, die ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in den
       OCOGs, also den Olympischen Organisationskomitees bündeln, haben sich sehr
       wohl von der Tabakindustrie sponsern lassen.
       
       Man muss sich zwar etwas vertiefen in die olympische Geschichte, aber diese
       Fälle hat es gegeben. Fangen wir im Jahr 1964 an, bei den Sommerspielen von
       Tokio – auch wenn bereits 1948 die Zigarettenmarke „Craven A“ als
       Olympiasponsor in London in Erscheinung trat.
       
       ## Blauer Dunst dank „Peace“ und „Olympia“
       
       Mit der [4][Zigarettenmarke „Olympia“], die Glimmstängel in einer Mischung
       aus griechischem und türkischem Tabak verkauft, nimmt das
       Organisationskomitee in Japan die damals beachtliche Summe von 1 Million
       US-Dollar ein. „Die Hochzeit zwischen Zigaretten und den Olympischen
       Spielen war ein beliebtes Werbethema bei den Spielen 1964“, schreibt
       Michael Payne, Autor des Buches „Olympic Turnaround“.
       
       Eine verbreitete japanische Zigarettenmarke, „Peace“, habe eine Werbeaktion
       durchgeführt, bei der jedes Paket mit einem nummerierten
       Olympia-Premium-Ticket verkauft wurde; es wurde auch mit den Ringen
       beworben. Laut einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation WHO stieg der
       Tabakkonsum in Japan in den Jahren 1963 bis 1965 signifikant an. Danach
       flacht die Kurve zwar wieder ab, aber die Sterblichkeit bei Männern infolge
       von Lungenkrebs schießt förmlich in die Höhe.
       
       16 Jahre später stehen die Olympischen Winterspiele in Lake Placid an. Und
       wieder schließt das regionale Organisationskomitee einen diesmal 200.000
       Dollar schweren Deal mit der Tabakindustrie ab; es ist die [5][United
       States Tobacco Company], die vor allem ihre rauchfreien Produkte bewerben
       will, sprich Kautabak der Marken Copenhagen und Skoal.
       
       IOC-Direktorin Monique Berlioux ist nicht erfreut über die Eigeninitiative
       der Macher in Lake Placid; dieser Vertragsabschluss sei eine „große
       Überraschung“ für sie, schreibt sie. Tabak und Alkohol seien keine
       passenden Sponsoren für die Olympischen Spiele – und stellt die Anfechtung
       des Vertrages in Aussicht. „Ob rauchfrei oder nicht, Tabak ist nicht
       harmlos für die Gesundheit“, findet Berlioux. Es kommt anders: Der Kontrakt
       bleibt bestehen.
       
       2016 schreibt das IOC in seinem „Marketing Fact File“, dass es keine
       „kommerziellen Verbindungen“ zu Tabakprodukten und alkoholischen Getränken
       (außer Bier und Wein) akzeptiert. Vier Jahre später fehlt dieser explizite
       Verweis.
       
       19 Feb 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/2020_Summer_Olympics_marketing
 (DIR) [2] https://stillmed.olympic.org/media/Document%20Library/OlympicOrg/Documents/IOC-Marketing-and-Broadcasting-General-Files/Olympic-Marketing-Fact-File.pdf
 (DIR) [3] https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/FzR/FzR_Sport_und_Rauchen_ein_Widerspruch.pdf
 (DIR) [4] https://theolympians.co/2016/02/03/olympia-cigarettes-how-the-1964-tokyo-olympics-led-to-increased-cases-of-lung-cancer-in-japan-today/
 (DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/U.S._Smokeless_Tobacco_Company
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Markus Völker
       
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