# taz.de -- Kitas verschärfen Zugang zu Notbetreuung: Zurück zur Systemrelevanz
       
       > Ab Montag sollen nur noch Eltern in „systemrelevanten Berufen“ Zugang zur
       > Kita-Betreuung haben. Kita-Träger warnen vor Unfrieden.
       
 (IMG) Bild: Schöner turnen zu Hause – was soll man auch machen, wenn die Eltern arbeiten müssen
       
       Berlin taz | Die Kitas in Berlin verschärfen den Zugang zur Notbetreuung im
       verlängerten Lockdown. Ab kommender Woche gilt: Nur wer in einem
       sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet, hat einen Betreuungsanspruch.
       Das hatte der Senat am Mittwochabend auf der [1][Sondersitzung zur
       Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse] beschlossen, auf der auch eine
       Verlängerung des Lockdowns bis 14. Februar vereinbart wurde.
       
       Die Bildungsverwaltung hatte am späteren Mittwochabend bereits eine [2][28
       Seiten lange Liste] mit den entsprechenden Berufen veröffentlicht. Darüber
       hinaus sollen auch Alleinerziehende einen Betreuungsanspruch haben genauso
       wie „soziale Härtefälle“.
       
       Von den Kita-Trägern kam am Donnerstag prompt Kritik: Die Liste sei viel zu
       umfangreich. Das vom Senat vorgegebene Ziel, die Kitas maximal zu 50
       Prozent auszulasten, sei so nicht zu erreichen. „Mich haben schon in aller
       Herrgottsfrühe Kita-Leitungen angerufen, die sagen: Wir sind schon auf
       Seite 22 der Liste bei 50 Prozent“, so Dorothee Thielen, Referentin
       Kindertagesstätten beim Paritätischen Berlin in der Liga der
       Wohlfahrtsverbände, einem Zusammenschlusses großer Kita-Träger mit rund
       12.000 Plätzen in Berlin.
       
       Thielen sagte, wenn man sich dafür entscheide, die Kitas de facto zu
       schließen und nur noch für die Kinder von Menschen, die in der „kritischen
       Infrastruktur“ tätig sind, zu öffnen, dann müsse man auch konsequent sein.
       „So bekommen jetzt viel zu viele Eltern eine Eintrittskarte in die Kitas –
       und die Leitungen vor Ort müssen entscheiden, wen sie abweisen.“ Die Liga
       forderte am Donnerstag erneut statt der Systemrelevanz-Listen „die
       Umsetzung eines Wechselmodells mit stabilen kleinen Gruppen“ sowie eine
       Ausweitung von „anlasslosen“ Schnelltests für Kita-Personal direkt in den
       Einrichtungen.
       
       ## 38 Prozent der Kinder da
       
       Am Donnerstag trafen sich Kita-Träger und die Jugendverwaltung von
       Senatorin Sandra Scheeres (SPD), es sollte auch um die Frage gehen, ob die
       Systemrelevanz-Liste eventuell noch einmal angepasst wird. Eine Sprecherin
       der Jugendverwaltung sagte auf taz-Anfrage, die Liste werde „bei Bedarf
       aktualisiert“. Man wolle aber erst sehen, „wie sich die Inanspruchnahme
       entwickelt“.
       
       Derzeit liegt berlinweit die Auslastung laut Jugendverwaltung bei 38
       Prozent der Kinder, für weitere 11 Prozent sei ein Bedarf angemeldet. „Die
       Zahl der Kinder ist in den vergangenen beiden Wochen langsam, aber stetig
       gestiegen“, so die Sprecherin. Deshalb komme man nun dem Wunsch der Kitas
       nach, deutlicher zu formulieren, wer Anspruch auf Notbetreuung hat.
       
       Die am Mittwochabend auf der Website der Jugendverwaltung veröffentlichte
       Liste spricht neben Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeberufen sowie
       im Einzelhandel und in der Notbetreuung an Schulen auch vielen anderen
       Berufsgruppen einen Betreuungsbedarf zu. Im Übrigen soll unerheblich sein,
       ob man diese Arbeit auch im Homeoffice erledigen kann. Es reicht, wenn ein
       Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet.
       
       Kritik kam am Donnerstag auch von der ErzieherInnen-Gewerkschaft GEW. Es
       fehle eine „Einbeziehung der Beschäftigten“, mit den Listen könnten die
       Kitas „nicht arbeiten“, sagte die Berliner GEW-Vorsitzende Doreen
       Siebernik.
       
       ## Zur Einschränkung bereit
       
       Corinna Balkow vom Landeselternausschuss Kita betonte, viele Eltern seien
       „durchaus bereit, sich einzuschränken“. Das zeige auch eine Umfrage unter
       1.000 Eltern aus fast allen Bezirken, die noch bis Ende der Woche laufe.
       Die meisten Eltern seien ebenfalls für ein Wechselmodell aus Kleingruppen,
       damit möglichst „jeder ein bisschen“ Betreuung bekomme. Balkow sagte, es
       fehle auch noch immer ein „Sozialausgleich“ für Eltern. Zwar gebe es
       inzwischen mehr Kind-Krank-Tage, „aber viele wünschen sich schlicht
       bezahlte Urlaubstage“.
       
       Eine Entscheidung darüber, ob man Arbeitgeber zum Homeoffice verpflichten
       will, hatte der Senat am Mittwoch auf kommende Woche vertagt.
       
       21 Jan 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Berlin-uebernimmt-neue-Coronaregeln/!5745693
 (DIR) [2] https://www.berlin.de/sen/bjf/service/presse/pressearchiv-2021/pressemitteilung.1042814.php
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Klöpper
       
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