# taz.de -- Die Wahrheit: Das doppelte Kanzlerchen
       
       > Auf ihrem unterhaltsam unaufhaltbaren Weg zur Macht beschreiten die
       > Grünen neue arbeitsteilige Wege. Mann, Frau, prima, wie das flutscht.
       
 (IMG) Bild: Darauf einen Doppelbock! Baerbock und Habeck auf dem Grünen-Parteitag am 20.11.2020
       
       Geteilte Arbeit ist doppelte Arbeit. Das wissen leidgeprüft viele Menschen,
       allermeist sind es immer noch Frauen, die in Teilzeit rödeln. Alles, was
       sich nicht wegschafft in der kurzen Zeit, die einem im Heimarbeittunnel
       oder an der Büropflanze bezahlt wird: All das erledigt sich entweder in
       einer gratis Nachtschicht, gar nicht oder schlecht gelaunt in der
       Mittagspause am nächsten Tag. 
       
       Geteilte Arbeit kann aber auch toll sein! Dann nämlich, wenn man einen
       super Sparringspartner hat, [1][so wie bei den Grünen]. Deren Vorsitzende
       [2][Annalena Baerbock], kurz Annalena, und Robert Habeck, kurz Robert,
       teilen sich bekanntlich ihren Vorsitzendenjob. Mann, Frau, ist das prima,
       wie das flutscht, außer Robert ist bei einem Thema blank und redet trotzdem
       darüber. Oder Annalena hat was Lustiges nicht kapiert. Ansonsten eigentlich
       alles „schnafte“ (so was ähnliches wie „dufte“) bei den Zweien. In jene
       Richtung jedenfalls geht die Erzählung der Grünenbundesgeschäftsstelle.
       
       Und noch darüber hinaus, wie wir gestern einer digitaldruckfrischen
       Pressemitteilung der beiden Vorsitzenden entnehmen durften. „Wir machen es
       zu zweit“ ist dezent die Nachricht betitelt, die Sprengstoff birgt. „Wir
       machen es zu zweit.“: Was soll das heißen in Bezug auf Robert und Annalena?
       Zu zweit was? Dass die beiden zu zweit Grünenvorsitzende sind, weiß ja eh
       mittlerweile schon jede gelockdownte Schülerin, jedes Kitakind, das sicher
       sagen kann, dass es in der virtuellen Giraffengruppe ist und nicht im
       analogen Flohzirkus fürs Leben lernt.
       
       „Wir machen es zu zweit“ – ein Satz, der nachhaltig perlt. Und der gewohnt
       flott grün in die durchwachsene Politzukunft blickt, aber auch auf die
       gewachsene Politzunft. Just dort verschieben Robert und Annalena, kurz nur
       noch „die beiden“ genannt, derzeit ganz dicke Organigrammbretter. Die
       beiden kommen denn auch prompt zur Sache in ihrer Pressemitteilung, gleich
       im zweiten Satz steht das völlig Neue: Die beiden können ihrer Ansicht nach
       beide Kanzler, und deshalb „werfen wir unsere Hüte als
       Teilzeitkanzler:innen zu jeweils gleichen Anteilen in den Ring für die
       Bundestagswahl im September“. 
       
       ## Zusammen in die Waschmaschine
       
       Rumms! Die sozial-mediale Resonanz aber auch das männliche Aufzeigen
       bleiben natürlich nicht aus. [3][Friedrich Merz], noch nicht FDP, bietet
       an, „den Kanzlerjob zu dritteln, ich stehe zur Verfügung“. Der
       Noch-CDU-Vorsitzende Armin Laschet twittert: „Bingo, Vizekanzler ist okay,
       endlich mehr Zeit für Aachen.“ Frankenkanzler Markus Söder spricht „von
       einer interessanten Ansage zu einem interessanten Zeitpunkt, zu der ich
       noch Nachvornegedachtes zum gegebenen Zeitpunkt sagen werde“.
       
       Jetzt ist es also raus, [4][Robert und Annalena] wollen zusammen in die
       Waschmaschine, wie das Kanzleramt nahe des öden Hauptbahnhofs im bräsigen
       Berliner Eingeborenenjargon genannt wird. Wie gedenken die beiden ihr
       Politpensum zu wuppen, zu halbieren, ja zu tranchieren? Wie wollen sie es
       spielen, dies geteilte Kanzler:in sein? Was geht beim doppelten
       Kanzlerchen und das nicht nur bei Anne Will auf dem Distanzfauteuil?
       
       Dass die geschliffene Pressemitteilungsprosa der beiden unzweifelhaft aus
       Roberts Schriftstellerfeder stammt, daran besteht kein Zweifel. Sätze wie
       Gold, das läuft, das weist nach vorn, ohne dass die Wählerschaft zur Kasse
       gebeten wird – weder moralisch, klimatisch, noch sonst wie. Kernsatz:
       „Doppelt gemoppelt hält besser – auch beim nachhaltigen Regieren!“ Das
       Ehegattensplitting soll unter den beiden abgeschafft werden, und in ein
       Kanzler:innensplitting überführt werden. Endlich mal eine sinnvolle
       Regierungsmaßnahme. Annalena kann uns das wenig später am Hörer nur
       bestätigen: „Grün ist das Doppelspiel. Wir schaffen das! Zu zweit. Robert?
       Robert?!“
       
       3 Feb 2021
       
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