# taz.de -- Neue deutsch-deutsche Impfallianz: Curevac verbündet sich mit Bayer
       
       > Der Aspirin-Konzern soll dem Tübinger Impfstoffentwickler bei der
       > Produktion und dem Vertrieb seines künftigen Covid-Vakzins helfen.
       
 (IMG) Bild: CureVac und Bayer schließen einen Kooperationsvertrag für den Corona-Impfstoff
       
       Berlin taz | Das [1][Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac] sucht die
       Unterstützung des Bayer-Konzerns bei der Entwicklung, Zulassung,
       Herstellung und Vermarktung seines Covid-Impfstoffs. „Mit seiner Expertise
       und Infrastruktur kann uns Bayer helfen, unseren Impfstoffkandidaten noch
       schneller verfügbar zu machen“, teilte Curevac-Chef Franz-Werner Haas am
       Mittwoch mit. Bayer könne den Impfstoff außerhalb Europas vermarkten,
       während Curevac die Lizenzen für die EU behält.
       
       Als gemeinsames Ziel wollen sie mehrere Hundert Millionen Impfdosen zur
       Verfügung stellen. [2][Die EU hat bei Curevac 225 Millionen Impfdosen
       bestellt], von denen Deutschland 40 Millionen zustehen. Die Bundesregierung
       war im vergangenen Frühjahr mit 300 Millionen Euro eingestiegen, nachdem
       die USA Interesse an dem Tübinger Unternehmen gezeigt hatten.
       
       Mit der Bayer-Partnerschaft folgt Curevac dem Beispiel seines Rivalen
       Biontech, der schon im März vergangenen Jahres ähnliche Verträge mit den
       Konzernen Pfizer aus den USA und Fosun aus China abgeschlossen hat. Curevac
       hinkt mehrere Monate dem Mainzer Konkurrenten hinterher. Sein Impfstoff
       befindet sich noch in Phase drei der Erprobung, während Biontech bereits
       weltweit Zulassungen erhalten hat.
       
       ## Ungleiche Verhältnisse
       
       Biontech hatte im vergangenen Jahr bei den Gesprächen mit Pfizer einen
       Vorteil: Es gibt bereits seit 2018 eine laufende Zusammenarbeit mit dem
       US-Unternehmen. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit einem Pharmariesen für
       einen Mittelständler heikel. Die Größenunterschiede sind beträchtlich:
       Pfizer hat 90.000 Mitarbeiter, Biontech hatte zu Beginn des Projekts 1.300
       Mitarbeiter. Für Pfizer arbeiten mehr Juristen, als Biontech Mitarbeiter
       hat.
       
       Noch ungleicher sehen die Verhältnisse zwischen Curevac und Bayer aus. Das
       Leverkusener Großunternehmen beschäftigt 100.000 Mitarbeiter, Curevac nur
       500. Bayer macht 4 Milliarden Euro Gewinn im Jahr, das Tübinger Unternehmen
       kennt bislang nur Verluste.
       
       ## Bayer hatte sich von Impfstoffentwicklung verabschiedet
       
       Während Bayer als deutscher Konzern den Tübingern kulturell näherstehen
       mag, hat es im Vergleich zu Pfizer jedoch einen Nachteil: Das deutsche
       Unternehmen bietet schon lange keine Vakzine mehr an. Im Jahr 2000 hat
       Bayer seine Sparte für Tierimpfstoffe abgestoßen. Pfizer ist dagegen nicht
       nur eine Impfstoff-Großmacht, sondern hat auch eigene Kompetenzen im Umgang
       mit mRNA mitgebracht. Das US-Unternehmen konnte daher zügig eine Produktion
       nach dem Biontech-Verfahren für den nordamerikanischen Markt aufbauen.
       
       Bayer kann zwar grundsätzlich mit seinen gewaltigen Ressourcen helfen –
       doch das Spezialwissen kommt weiterhin allein von Curevac. Das dürfte dazu
       beigetragen haben, dass es recht lange gedauert hat, bis Bayer sich zu
       einem Impfstoff-Engagement aufgerafft hat. „Ich kann mir vorstellen, dass
       wir, wenn nötig, den Herstellern von Corona-Impfstoffen
       Produktionskapazitäten zur Verfügung stellen“, sagte der Chef der
       Pharmasparte bei Bayer, Stefan Oelrich, der Wirtschaftswoche.
       
       ## Markteinführung wahrscheinlich erst im Spätsommer
       
       Curevac/Bayer ist im Impfstoffrennen nun hochwillkommen, doch auch die
       Beteiligung des größeren Pharmaherstellers wird den Zeitplan hierzulande
       nicht erdbebenartig verschieben. Biontech, der US-Hersteller Moderna und
       der britisch-schwedische Anbieter Astrazeneca werden voraussichtlich bis
       zur Jahresmitte genug Präparate für alle impfwilligen Deutschen liefern.
       Curevac hat in Mitteilungen aus dem vergangenen Jahr jedoch erst mit einer
       Markteinführung im dritten Quartal, also ab Juli 2021, gerechnet.
       
       Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg nach Angaben des
       Robert-Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag um 26.391 auf 1.835.038
       Millionen. Die Zahl der bundesweiten Impfungen lag bei 417.060. Verwendet
       wurde ausschließlich der Impfstoff von Biontech.
       
       7 Jan 2021
       
       ## LINKS
       
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