# taz.de -- heute in hamburg: „Barrierefreiheit ist nicht erkämpft worden“
       
       Interview Lissy Malethan
       
       taz: Frau Held, welche Barrieren hat die Viktoria-Kaserne für Menschen mit
       Behinderung? 
       
       Susanne Held: Viele. Die Eingänge sind für Rollstuhlfahrer*innen oder
       Menschen mit Gehbehinderung das erste Hindernis. Die Treppen sind eine
       große Barriere, weshalb wir Aufzüge benötigen, der Lastenaufzug vom Hof
       kann umgebaut werden. Auch die zahlreichen und schweren Brandschutztüren
       sind ein Problem, dafür brauchen wir automatische Türöffner. Es gibt viele
       Orte im Haus, die zum Beispiel für Rollstuhlfahrer*innen nicht autonom
       erreichbar sind.
       
       Hat die Fux-Genossenschaft das beim Umbau einfach vergessen? 
       
       Die alte Kaserne ist denkmalgeschützt. Es ist sehr aufwendig, einen
       denkmalgeschützten Altbau barrierefrei zu machen, man hat viele Auflagen.
       Es wurde nicht unbedingt vergessen, aber Barrierefreiheit ist auch nicht
       erkämpft worden. Es braucht jetzt engagierte Leute, vor allem, weil es sehr
       anstrengend ist, Gelder für den barrierefreien Umbau zu bekommen.
       
       Warum ist das so? 
       
       Es gibt viele Stiftungen, die Barrierefreiheit finanziell unterstützen, die
       meisten davon machen das aber nicht für Bauvorhaben, sondern eher im
       Bereich von Bildungsangeboten. Es obliegt eigentlich den Bauherr*innen, das
       Gebäude barrierefrei zu bauen und dies zu finanzieren. Die Stiftung, wo wir
       Gelder beantragen wollen, ist Aktion Mensch, das ist eine der wenigen
       Stiftungen, die generell für barrierefreie Umbauten Gelder geben.
       
       Warum haben Sie die Gelder noch nicht beantragt? 
       
       Für den Antrag brauchen wir Eigenmittel. Bei Aktion Mensch müssen wir
       selbst 60 Prozent des Geldes aufbringen, damit die Stiftung uns die anderen
       40 Prozent stellt. Dafür ist auch das Crowdfunding, das wir gerade machen.
       
       Unterstützt die Stadt den Umbau nicht? 
       
       Doch, es gibt auch Mittel aus öffentlicher Hand, die an barrierefreie
       Umbauten gebunden sind. Das werden wir auch nutzen, aber es deckt nicht
       alles ab. Diese Unterstützung ist auch unabhängig von den 30.000 Euro, die
       gebraucht werden, um das Geld bei Aktion Mensch zu beantragen.
       
       Mit welchem Hintergrund kämpfen Sie für Barrierefreiheit? 
       
       Wir wollen das Haus noch mehr für Menschen mit Behinderung öffnen. Wir sind
       davon überzeugt, dass, wenn wir Orte schaffen, wo wir uns begegnen können,
       Beziehungen und Freundschaften entstehen, die etwas Grundlegendes verändern
       können.
       
       Crowdfunding für den barrierefreien Umbau der Viktoria-Kaserne der Fux eG,
       https://www.startnext.com/fux-barrierefrei
       
       3 Dec 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lissy Malethan
       
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