# taz.de -- AfDlerin wechselt zur Bremerhavener CDU: CDU nach rechts recht offen
       
       > Natalia Bodenhagen wechselte von der AfD zur CDU im Bremerhavener
       > Stadtparlament. Chat-Protokolle zeigen, dass sie ihre Gesinnung nicht
       > geändert hat.
       
 (IMG) Bild: Kippt sanft nach rechts: Die CDU in Bremerhaven
       
       Hamburg taz | Die CDU in Bremerhaven ist sich einig: Über den Wechsel von
       Bodenhagen zur CDU-Stadtverordnetenfraktion und in den CDU-Kreisverband von
       Mitte Oktober wird mit der Presse nicht gesprochen. Über die Gründe des
       Eintrittes sei der Vorstand alleine ihrer Mitgliederversammlung sowie ihren
       Gremien gegenüber auskunftspflichtig, erklärt Torsten Neuhoff,
       CDU-Kreisvorsitzender und Bremerhavener Bürgermeister. „Wir bitten daher um
       Verständnis, dass wir auf einzelne Fragen nicht eingehen werden“, so
       Neuhoff.
       
       Das neue CDU-Mitglied selbst reagiert auf die Bitte der taz um eine
       Stellungnahme auch nach zwei Wochen nicht. Doch Chat-Protokolle von
       Bodenhagen werfen Fragen zu ihrer politischen Einstellung auf.
       
       Am 13. Oktober hatten auf einer gemeinsamen Sitzung des CDU-Kreisvorstandes
       und der Stadtverordnetenfraktion die Mehrheit der rund 25 anwesenden
       Mitglieder für die Aufnahme der Ex-AfD-Frau gestimmt; daneben gab es vier
       Enthaltungen. Vor der Abstimmung hatten Neuhoff und der
       Fraktionsvorsitzende Thorsten Raschen aus den ersten Gesprächen mit
       Bodenhagen und dem Wunsch ihrer Aufnahme in die CDU berichtet.
       
       Reichte tatsächlich ein Gespräch? Wie die anderen Fragen der taz ließ die
       CDU auch diese unbeantwortet. Nach dem Übertritt erklärte Raschen nur, dass
       die Fraktionsspitze mit Bodenhagen „mehrere Stunden“ geredet hätte, in
       denen sich inhaltliche Übereinstimmungen gezeigt hätten, etwa bei der
       Schulpolitik und dem Umbau des ehemaligen Flüchtlingsheims in der Wiener
       Straße zu einem Integrationszentrum. In der Stadtverordnetenversammlung
       sagte Raschen noch: „Jeder kann mal falsch abbiegen und muss dann die
       Möglichkeit bekommen, wieder in die Spur zurückzukommen.“
       
       Doch von wie weit rechts kommt Bodenhagen und wie weit wendet die Lehrerin
       sich ab? In Chat-Protokollen, die der taz zugespielt wurden, offenbart sich
       nicht bloß eine AfD-Politikerin, sondern auch Rhetorik aus dem aufgelösten
       „Flügel“, den der Bundesverfassungsschutz als rechtsextremistisch
       eingestuft hat.
       
       In den Protokollen wird gegen „Passdeutsche“ gehetzt, indem spekuliert
       wird, wie viele von ihnen Harz IV bekämen. Ein Foto von einigen schwarzen
       Männern, die einem weißen Mann etwas verkaufen, wird mit dem Titel „Die
       Mohren-Apotheke im Görlitzer Park“ geteilt. Und an einer Stelle heißt es
       „die Bereicherung“ käme später am Tag „aus den Löchern“- die Wortwahl
       spielt auf die rechtsextreme zynische Bezeichnung für Geflüchtete als
       „Kulturbereicherung“ an.
       
       In den Protokollen der Bio-und Chemielehrerin wird auch über die Schule
       geschimpft, eine Anstalt, die ohne „Alk“ nur schwer zu ertragen sei,
       Schüler*innen sind dort „Hohlbrote“, die wohl nicht in der Zukunft die
       Gesellschaft finanzieren könnten. Die Pandemiemaßnahmen werden als
       „Corona-Scharade“ bezeichnet und kolportiert wird, dass Bill Gates sieben
       Milliarden Menschen einen Impfstoff verabreichen wolle. Quelle: Pi-News,
       ein Blog mit islamfeindlichen und rechtsextremen Positionen.
       
       Bereits Ende September hat Bodenhagen zugleich mit Pascal Hiller die AfD
       und Fraktion verlassen. Ihr Mandat gab sie aber nicht ab. Als Grund für den
       Austritt wurden knapp die Streitereien in der Bremer AfD angegeben. Eine
       inhaltliche Distanzierung wird nicht ausformuliert.
       
       Die Chat-Protokolle sollen laut dem Informanten der taz in der CDU bekannt
       sein. Bestätigt ist das nicht – Nachfragen zu dem Komplex sind bei der
       Partei schließlich unerwünscht.
       
       Der zügige Wechsel verwunderte nach dem Bekanntwerden bereits Doris Hoch.
       Die Fraktionsvorsitzende der Grünen PP sagte: „Wir sind erstaunt, wie
       schnell die Bremerhavener CDU eine Politikerin aufnimmt, die vor wenigen
       Wochen noch für die AfD aktiv war, CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss hin oder
       her.“ Für sie klinge es nicht nach klarer inhaltlicher Abgrenzung, wenn nur
       ein längeres Gespräch genüge.
       
       Auch Julia Stephan-Titze, Grüne Stadtverordnete und
       Kreisvorstandsprecherin, sieht bis heute kein Umdenken, denn eine
       „inhaltliche Distanzierung von der AfD von Frau Bodenhagen ist uns nicht
       bekannt“. Sie erinnert daran, dass Bodenhagen vor der AfD den
       rechtspopulistischen „Bürger in Wut“ angehörte, die ihr dann wohl zu
       moderat waren.
       
       24 Nov 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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