# taz.de -- Giffey verzichtet auf ihren Doktortitel: Im Widerspruch zur SPD-Erzählung
       
       > In der Debatte um Franziska Giffey geht es um die Glaubwürdigkeit der
       > Berliner SPD. Sie sollte sich die Zeit nehmen und ehrlich darüber
       > diskutieren.
       
 (IMG) Bild: Ist sie noch auf dem Ticket zur Spitzenkandidatin? Franziska Giffey mit Raed Saleh
       
       Natürlich braucht Franziska Giffey keinen Doktortitel, um eine gute
       Politikerin, eine gute SPD-Landeschefin und eine gute Spitzenkandidatin zu
       sein. Dummerweise hat sie aber einen bekommen und getragen – und so einfach
       wie einen Mantel lässt sich das Dr. nicht ablegen, auch wenn die
       Bundesfamilienministerin das gerne hätte. Am Freitag [1][hatte Giffey
       angekündigt], auf den Titel von sich aus zu verzichten. Seitdem läuft die
       Debatte, was daraus folgen sollte.
       
       Giffey hatte für den Fall, dass ihr der Doktor aberkannt werde, den
       Rücktritt als Ministerin in Aussicht gestellt. Diese Aberkennung ist
       wahrscheinlicher geworden, seit die Freie Universität vor zehn Tagen
       angekündigt hat, die zuvor ausgesprochene „Rüge“ für Giffey zurückzuziehen
       und die Arbeit erneut zu prüfen.
       
       Berlins SPD trifft diese Debatte zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich
       sollte Giffey [2][vor zwei Wochen zur Co-Landeschefin gewählt werden.] Doch
       der Parteitag wurde wegen Corona abgesagt. Zudem soll die einstige
       Neuköllner Bürgermeisterin ihre Partei als Spitzenkandidatin in den
       Wahlkampf 2021 führen und dafür sorgen, dass das Rote Rathaus weiter rot
       regiert wird. Viele Berliner Genoss*innen waren deswegen schnell dabei,
       Giffey für ihren Schritt zu loben. Tatsächlich hatte sie gar keine andere
       Möglichkeit mehr.
       
       ## Mit den Menschen auf Augenhöhe
       
       Giffey vermag es wie wenige andere Politiker*innen, den Menschen
       vermeintlich auf Augenhöhe zu begegnen. Sie passt perfekt in die Erzählung
       der SPD, sich um die „normalen, ehrlichen Leute“ zu kümmern, die auch in
       Berlin nicht aufs Auto verzichten wollen und einen Latte macchiato für vier
       Euro für Geldverschwendung halten. Dieses Bild wackelt mit einer
       Kandidatin, die bei ihrer Doktorarbeit getrickst, sich Vorteile davon
       erhofft und einen Titel wohl zu Unrecht getragen hat. Es geht um die
       Glaubwürdigkeit der Berliner SPD.
       
       Noch ist Giffey nicht Landeschefin und nicht Spitzenkandidatin. Die
       Abgeordnetenhauswahl ist erst in zehn Monaten. Die SPD könnte und sollte
       sich die Zeit nehmen, die Personalie Giffey offen und ehrlich zu
       diskutieren, anstatt nur reflexhafte Solidaritätsbekundungen auszusprechen.
       
       15 Nov 2020
       
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 (DIR) Bert Schulz
       
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