# taz.de -- Wieder Proteste in Thailand: Demoziel deutsche Botschaft
       
       > AnhängerInnen und KritikerInnen des Königs demonstieren vor der deutschen
       > Botschaft in Bangkok. Der Grund: dessen bayerischer Wohnsitz.
       
 (IMG) Bild: Auf dem Weg zur deutschen Botschaft in Bangkok
       
       Berlin taz | Ein massives Polizeiaufgebot hat am Montag die deutsche
       Botschaft in Bangkok gesichert, als mehrere Tausend friedlich
       Demonstrierende am Abend dort an der South Sathorn Road eintrafen. Sie
       übergaben dem Botschafter Georg Schmidt eine monarchiekritische Petition.
       [1][Thailands pro-demokratische Protestbewegung] fordert die Regierung in
       Berlin auf, den Status von [2][König Maha Vajiralongkorn] zu untersuchen.
       Manche wünschen sich gar, Deutschland möge den König zur persona non grata
       erklären.
       
       Bekanntlich hält sich Thailands Monarch die meiste Zeit des Jahres in
       Bayern auf. Nach Meinung von Kritikern in Thailand und Deutschland verletzt
       er mit seiner dortigen Ausübung politischer Macht die deutsche
       Souveränität.
       
       „Das sind Fragen, die das Volk beantwortet haben will“, sagte eine
       Aktivistin, der es laut dem Webnachrichtenportal Khaosod English mit zwei
       anderen Protestierenden erlaubt war, die Petition dem Botschafter zu
       übergeben. Der soll demnach versichert haben, das Schreiben nach Berlin zu
       übermitteln.
       
       Dort drohte Bundesaußenminister Heiko Maas dem König bereits mit
       ungenannten Konsequenzen für den Fall, dass bei dessen Aufenthalten in
       Bayern rechtswidriges Verhalten festgestellt werde. „Natürlich habe ich
       auch das Treiben des thailändischen Königs in Deutschland im Blick“, sagte
       der SPD-Politiker laut dpa auf einer Pressekonferenz. Dieses „Treiben“
       werde „dauerhaft“ überprüft. „Und wenn es dort Dinge gibt, die wir als
       rechtswidrig empfinden, dann wird das sofortige Konsequenzen haben.“
       
       ## Der thailändische König ist bereits Thema im Bundestag
       
       Am Morgean war die deutsche Vertretung in Bangkok bereits Ziel einer
       Kundgebung des rivalisierenden Lagers gewesen: Da hatten Ultra-Royalisten
       gefordert, Deutschland möge nichts gegen Vajiralongkorn unternehmen.
       
       Kürzlich war der Aufenhalt des Monarchen in Deutschland, der am Starnberger
       See eine Villa besitzt, bereits Thema bei einer Fragestunde im Bundestag
       gewesen. Auf eine Frage des Grünen-Abgeordneten Frithjof Schmidt hatte
       Außenminister Maas erklärt: „Wir haben deutlich gemacht, dass Politik, die
       das Land Thailand betrifft, nicht von deutschem Boden aus zu erfolgen hat.“
       
       Seit inzwischen mehrere Monaten demonstriert die von Thailands Jugend
       initiierte pro-demokratische Bewegung gegen das Regime von Ex-Juntachef
       Prayuth Chan-ocha. Sie fordert den Rücktritt des Premierministers und
       einstigen Putschisten, eine Änderung der umstrittenen Verfassung und eine
       Reform der Monarchie, darunter vor allem Rechenschaftspflicht und
       Transparenz.
       
       Thailand müsse sich zu einer echten Demokratie wandeln, in welcher der
       König wahrhaft über der Politik stehe, hieß es in einem Manifest vom
       August. So musse es unter einer neuen Verfassung es möglich sein,
       Fehlverhalten des Monarchen zu untersuchen, worauf bisher drastische
       Gefängnisstrafen stehen. Auch dürfe das Staatsoberhaupt künftig keine
       Militärputsche mehr absegnen.
       
       ## Der Monarch sieht offenbar keinen Reformbedarf
       
       Der unpopuläre Vajiralongkorn hatte zuletzt am Freitag Abend Aufsehen
       erregt. In einem Video dankte er einem Royalisten für dessen Loyalität: Der
       Mann hatte pro-demokratische Demonstrant*innen konfrontiert, indem er ein
       Porträt des 2016 verstorbenen Königs Bhumibol Adulyadej und seiner Frau
       Sirikit in die Höhe gehalten hatte. Die Geste wird klar als Rückendeckung
       für das royalistisch-reaktionäre Lager gewertet.
       
       Am Montag hat auch eine zweitägige Debatte im Parlament zur politischen
       Lage begonnen. Damit will der mit Rücktritsforderungn konfrontirete Premier
       Prayuth der Protestbewegung den Wind aus den Segeln nehmen. Doch schon bei
       Eröffnung der Sitzung erklärte Parlamentspräsident Chuan Leekpai, es gehe
       nicht um die Rolle der Monarchie, was für weitere Empörung bei Kritikern
       sorgen dürfte. Aus Kreisen des Regimes hieß es zudem, der jugendlichen
       Protestbewegung sei es untersagt, die Monarchie in die Politik hinein zu
       ziehen.
       
       Aus den Mündern einstiger Putschisten mutet dies wieder einmal mehr als
       befremdlich an: Denn indem sie Staatsstreiche immer wieder mit dem Schutz
       des Königshauses zu legitimieren versucht, tut die Armee ihrerseits genau
       das.
       
       26 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://Flashmob-Taktik%20gegen%20die%20Monarchie
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicola Glass
       
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