# taz.de -- ausverkauft: Shopping-Vergnügen im Lockdown
Offengestanden: Mir fällt es schwer nachzuvollziehen, warum ich momentan
keinen Drink vor meiner Stammkneipe trinken darf – gern an der frischen
Luft und mit dicker Jacke. Aber gut, diese verdammten Neuinfektionen müssen
nun einmal runter, da bin auch ich zu Opfern bereit. Doch während
Nachwuchsjournalisten auf dem Trockenen sitzen, Kneipen, Restaurants und
Sportvereine um ihr Überleben kämpfen und die täglichen Neuinfektionen
weiter von Rekord zu Rekord jagen, darf in Hamburg an diesem Wochenende
auch sonntags geshoppt werden. Nicht überall – einige Events wurden
abgesagt –, doch der Corona-Hotspot Bergedorf etwa will am sonntäglichen
Shopping-Vergnügen festhalten. Was soll schon schiefgehen?
Das denkt sich auch das Bergedorfer Stadtmarketing: Der coronageplagte
Einzelhandel habe es bitter nötig. Außerdem werde ganz besonders auf die
nötigen Hygieneregeln geachtet. Und auch das Bezirksamt hat kein Problem
mit der Veranstaltung, solange sich alle an Kontaktbeschränkungen und
Hygieneregeln halten. Ähnlich sieht es der Bezirk Mitte.
Der verkaufsoffene Sonntag in der City fällt trotzdem aus – allerdings weil
die Veranstalter:innen abgesagt haben. „Dieses Event passt nicht zu einem
Teil-Lockdown“, sagt das City-Management. Stimmt. Trotzdem würde ich mich
freuen, wenn nicht die örtliche Einzelhandelsvertretung über das nächste
potenzielle Superspreading-Event entscheidet.
Und so ärgerlich das alles ist für den Einzelhandel ist – auf
Shopping-Events zu verzichten, wäre schlicht und ergreifend fair gegenüber
all denen, die gerade alles tun, um die Ausbreitung des Virus zu
verlangsamen. Und zugegebenermaßen auch gegenüber all denen, die einfach
gern mal wieder einen Drink vor ihrer Stammkneipe trinken würden. Lukas
Gilbert
7 Nov 2020
## AUTOREN
(DIR) Lukas Gilbert
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