# taz.de -- Asteroidenforschung: Nasa knabbert Bennu an
       
       > Eine gewagte Raumfahrtmission der USA erkundet einen 500 Meter großen
       > Asteroiden. Die Sonde Osiris-Rex soll Bodenproben zur Erde bringen.
       
 (IMG) Bild: Wie ein graues Quarkbällchen: der Asteroid Bennu
       
       Berlin taz | Es klingt wie ein [1][Science-Fiction]-Drehbuch: 330 Millionen
       Kilometer von der Erde entfernt hat eine Nasa-Raumsonde sich für einen
       kurzen Moment so weit an einen 500 Meter großen Asteroiden angenähert, dass
       sie mit einem Roboterarm einige Brocken des Himmelskörpers aufsammeln
       konnte.
       
       Nach dem erfolgreichen Manöver wird die Sonde Osiris-Rex diese Bodenproben
       in drei Jahren zur Erde zurückbringen. Von der Erde aus ließen sich die
       Ereignisse nicht steuern – weil Funksignale mehr als 18 Minuten bis zu der
       Raumsonde brauchen, mussten deren elektronische Systeme dies selbstständig
       erledigen. Dies hat wie vorgesehen geklappt, meldet die Nasa auf Twitter.
       
       Der Asteroid wurde 1999 entdeckt und auf den Namen Bennu getauft, und er
       erhielt große Aufmerksamkeit, da er auf seinem Weg um die Sonne der Erde
       sehr nahe kommen kann. In den Jahren 2175 und 2199 besteht ein winziges
       Risiko – 1 zu 2.700 – eines Einschlags auf unserem Planeten.
       
       Deswegen wollte die Nasa mehr über seine Beschaffenheit herausfinden und
       schickte im September 2016 die zwei Tonnen schwere Sonde Osiris-Rex zu
       Bennu. Seit Dezember 2018 beobachtete sie den [2][Asteroiden] aus kurzer
       Distanz und begann ihn schließlich in einer Entfernung von ein bis zwei
       Kilometern zu umkreisen und zu fotografieren.
       
       ## Ein ungewöhnlicher Himmelskörper
       
       Bennu sieht auf den Bildern aus wie ein graues Quarkbällchen mit rauer
       Oberfläche. Aufnahmen aus kürzerer Distanz zeigen schwärzliche Brocken auf
       seiner Oberfläche. Immer wieder werden Gesteinsbrocken von ihm
       weggeschleudert, so gering ist Bennus eigene Anziehungskraft. Die Nasa
       beschreibt ihn als lose zusammengebackenen Klumpen aus kohlenstoffreichem
       Material mit einer geringen Dichte, die ihn auf dem Wasser schwimmen ließe.
       
       In der vergangenen Nacht steuerte die Sonde in eine immer niedrigere
       Umlaufbahn und näherte sich ihm bis auf wenige Meter. Mit einer Art
       Roboter-Arm berührte sie die Oberfläche des Asteroiden etwa fünf Sekunden
       lang und wirbelte Probenmaterial auf. Nach dem Aufsaugen der Probe – die
       Nasa hofft auf zwei Kilogramm Material – entfernte sich die Sonde wieder
       von Bennu und kehrte zunächst zurück in ihre Umlaufbahn.
       
       Im Kontrollzentrum in Colorado brach Jubel aus, als klar wurde, dass das
       Manöver gelungen war. Dante Lauretta, Chef-Wissenschaftler der Mission,
       sagte darauf: „Ich kann nicht glauben, dass wir das hinbekommen haben. Das
       ist historisch, das ist wunderbar.“ Eine Milliarde Dollar kostet die
       Mission, die nicht nur zu einer besseren Einschätzung der von Bennu
       ausgehenden Gefahr für die Erde führen wird, sondern auch wissenschaftliche
       Erkenntnisse über den Zustand des Sonnensystems in seinen Anfangszeiten
       liefern kann.
       
       Was die Nasa als historische Leistung feiert, hatten allerdings die Japaner
       mit ihrer Sonde „Hayabusa“ 2005 schon vorgemacht und 2010 einige Brösel des
       Asteroiden Itokawa zur Erde gebracht. Eine Nachfolgemission „Hayabusa 2“
       soll im Dezember zur Erde zurückkehren. Die Forscherteams aus Japan und den
       USA haben bereits eine enge Zusammenarbeit verabredet.
       
       21 Oct 2020
       
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