# taz.de -- Berliner Schulen bekommen Luftfilter: Einmal tief durchatmen
       
       > Weil an vielen Schulen die Fenster nicht richtig öffnen, schafft der
       > Senat für 4,5 Millionen Euro 1.200 Luftfilter an – um so Aerosole zu
       > reduzieren.
       
 (IMG) Bild: Einmal Durchzug, bitte: Frische Luft hilft gegen die Virenkonzentration im Raum
       
       Berlin taz | Weil Lüften an vielen Schulen in Berlin nicht so einfach ist,
       sollen jetzt spezielle Luftfilter mit dafür sorgen, dass der Betrieb unter
       Pandemiebedingungen weiterlaufen kann. Insgesamt 4,5 Millionen Euro für
       1.200 „mobile Luftreinigungsgeräte“ seien nun beschlossene Sache, teilte
       die Bildungsverwaltung nach der Senatssitzung am Dienstag mit. Profitieren
       sollen zunächst jene Schulen, „deren Klassenzimmer aufgrund der baulichen
       Situation erschwert belüftet werden können.“ Wie viele Schulen das genau
       sind und wie diese ermittelt werden, sagte die Bildungsverwaltung zunächst
       nicht. Es sei eine „Förderrichtlinie in Arbeit“, hieß es lediglich.
       
       Die Luftfilter für Klassenräume sind schon lange in der Diskussion. Seit
       die Schulen nach den Sommerferien [1][zum normalen Betrieb ohne
       Abstandsregeln] zurückgekehrt sind und die Temperaturen wieder kälter
       werden, hat sich die Debatte um vernünftige Lüftungskonzepte verschärft.
       Klar ist: Viele Schulen haben so gravierende bauliche Mängel, dass sich die
       Fenster nicht einfach mal eben öffnen lassen. Wie viele das genau in Berlin
       sind, müssten eigentlich die Bezirke wissen – doch eine koordinierte
       Abfrage gab es bisher nicht.
       
       Das Lüftungskonzept der Kultusministerkonferenz, das Berlin übernommen hat,
       sieht vor: Einmal fünf Minuten Lüften nach der Hälfte jeder
       Unterrichtsstunde – und voller Durchzug in den Pausen, also Fenster und
       Türen weit auf. Berlins Bildungsverwaltung ergänzt das Konzept um den
       Hinweis, den Kindern „entsprechend warme Kleidung“ anzuziehen.
       
       „Wir haben aber von verschiedenen Schulen Rückmeldungen, dass das mit dem
       Lüften eben nicht geht“, sagt Norman Heise, Vorsitzender des
       Landeselternausschusses. Er sagt, man „begrüße“ die Entscheidung pro
       Luftfilter aus Elternsicht. „Allerdings ist jetzt die Frage, wie sie
       verteilt werden und was das für Geräte sind.“
       
       ## Kein Thema im Hygienebeirat
       
       Die Bildungsgewerkschaft GEW zeigte sich am Dienstag „irritiert“ über die
       Grundlage, auf der die Anschaffung der Filter beschlossen wurde. Das sei
       jedenfalls am Montag nicht Thema im Hygienebeirat gewesen. „Woher kommt die
       Zahl 1.200? Warum nicht 5.000?“, fragt GEW-Landeschef Tom Erdmann. Die
       Geräte könnten in jedem Fall nur ein Anfang sein, „weil wir ja 20.000
       Klassenräume haben.“
       
       Eingeflossen in die Entscheidung ist in jedem Fall ein Pilotversuch an drei
       Berliner Schulen, der seit dem Sommer lief. Die Lehrkräfte und SchülerInnen
       sollten nach subjektiven Kriterien urteilen, ob ihnen die Luft besser
       erscheint und wie sie die Lautstärkebelastung durch die Geräte beurteilen.
       Die Resonanz sei „positiv“ gewesen, teilt ein Sprecher von
       Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit. Die Charité habe den
       Pilotversuch wissenschaftlich begleitet und „Geräte ab einer gewissen
       Luftfilterqualität“ zum Einkauf empfohlen.
       
       Wie effektiv der Aerosolgehalt in einem Klassenraum so tatsächlich gesenkt
       werden kann, sagte die Bildungsverwaltung am Dienstag nicht. Modellversuche
       aus anderen Bundesländern legen nahe, dass manche Filter die
       Aerosolkonzentration um 90 Prozent reduzieren können. Wie viele Aersole
       jemand einatmen muss, um sich zu infizieren, ist medizinisch allerdings
       noch nicht abschließend geklärt. Experten wie der Energietechnik-Professor
       [2][Martin Kriegel von der Technischen Universität Berlin] haben unter
       anderem in einem Interview mit der taz betont, wie zentral Frischluftzufuhr
       ist, um die Aerosolkonzentration in Räumen zu senken – so viel weiß man
       sicher.
       
       Landeselternsprecher Heise gibt zu bedenken, dass die Luftfilter zwar Viren
       aus der Luft filtern, die Luft aber nicht mit Sauerstoff anreichern.
       „Lüften muss man also trotzdem.“
       
       Damit das mit dem frischen Wind in den Klassenzimmern klappt, hat die
       Bildungsverwaltung Ende Oktober bereits 3.500 CO2-Messgeräte bestellt. Die
       sollen aber nicht flächendeckend in jedes Klassenzimmer kommen: Je nach
       SchülerInnenzahl bekommen die Schulen zwischen drei und fünf Geräten – als
       „Unterstützung, um den richtigen Lüftungsrhythmus zu trainieren“, hatte
       Scheeres gesagt. Gesetzt dem Fall natürlich, die Fenster funktionieren.
       
       3 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Klöpper
       
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