# taz.de -- Schulen und Kitas während Corona: Nicht zu ersetzen
       
       > Schulen und Kitas müssen offenbleiben. Präsenzunterricht ist wichtig, um
       > die Chancenungleichheit in der Bildung nicht weiter wachsen zu lassen.
       
 (IMG) Bild: Lüftungspause an der Max-Planck-Schule in Kiel
       
       Warum müssen Museen und Theater schließen, während Schulen und Kitas weiter
       geöffnet bleiben? Bei den einen wird penibel auf Abstand und Hygiene
       geachtet, [1][bei Letzteren drängen sich über 20 Kinder auf 30 schlecht
       gelüfteten Quadratmetern]. Die Frage ist also berechtigt. Und dennoch ist
       die Antwort klar: Schulen und Kitas müssen geöffnet bleiben. Sie zu
       schließen sollte das letzte Mittel im Kampf gegen die unkontrollierte
       Ausbreitung der Pandemie sein.
       
       Das ist epidemiologisch gesehen nicht schlüssig: Ein Lockdown der Schulen
       könnte dabei helfen, Kontakte zu kappen und Infektionsketten zu
       unterbrechen. Auch wirtschaftliche Erwägungen sollten nicht die
       entscheidenden sein, obwohl die Aussicht auf geschlossene
       Bildungseinrichtungen bei erwerbstätigen Eltern und den
       Arbeitgeber:innen sofort zu Schnappatmung führen dürfte.
       
       Nein, Schulen und Kitas müssen wegen der Kinder offenbleiben. Kinder haben
       ein Recht auf Bildung. Geschlossene Bildungseinrichtungen beschneiden
       dieses Recht. Selbst dort, wo beim ersten Lockdown digitales Lernen
       halbwegs funktionierte, bezahlten die Kinder einen Preis: Die Lehrer:innen
       konzentrierten sich während der ersten Coronawelle auf die Kernfächer,
       andere Fächer wurden gar nicht oder nur kursorisch unterrichtet.
       
       Die Chancenungleichheit ist gewachsen: Wer zu Hause kein Laptop und kein
       eigenes Zimmer hat und dessen Eltern nicht als Hilfslehrer einsprangen, ist
       aus den Osterferien mit Lernlücken zurückgekehrt. Auch das soziale Lernen,
       Austausch und Begegnung kamen während des Lockdowns zum Erliegen.
       
       Die Forderung diverser Lehrerverbände, jetzt die Klassen zu teilen und auf
       Schichtunterricht umzustellen, ist vor allem Klientelpolitik. Aber wenn man
       nicht das Personal verdoppelt, was unrealistisch ist, bedeutet das für
       Schüler:innen einen halbierten Präsenzunterricht. Und damit eben nur ein
       geteiltes Recht auf Bildung. Präsenzunterricht, das zeigte der erste
       Lockdown, ist nicht zu ersetzen. Deshalb muss die Politik alles dafür tun,
       um die Schulen offen halten zu können. Die Frage ist dabei, ob sie dies
       wirklich tut.
       
       3 Nov 2020
       
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