# taz.de -- Kicker Delzepich am Golfball: Der Rasenpflüger
       
       > Eine Golfrunde mit Günter Delzepich, Alemannia Aachens legendärem
       > Zweimeter-Zweizentner-Zweitligabriegel.
       
 (IMG) Bild: Gefürchtet: Günter Delzepich früher
       
       „Es spielt keine Rolle, wie du Golf spielst, aber mit wem“ (Autor
       unbekannt)
       
       Die strammen Waden beulen die Hose immer noch ordentlich aus, die O-Beine
       sind gangprägend. Schon auf den ersten Blick ist die Gesamterscheinung
       dieses Mannes von Kraft und Kompaktheit geprägt, auch mit 62 Jahren.
       „Hallo, ich bin der Günter“, sagt Günter Delzepich. Dann schlägt er ab.
       
       [1][Delzepich?] Älteren Fußballfreunden ist der Aachener Zweitligaspieler
       bis heute ein Begriff (1984–1990: 179 Einsätze, 29 Tore). Er war ein
       Brecher wie kein zweiter, Zweikampfheroe, Rasenzerpflüger, ein Hüne, der
       nur aus Oberschenkelmuskeln zu bestehen schien. Bis heute wird man als
       Aachener bundesweit auf ihn angesprochen, wenn es um den Niedergang der
       Alemannia geht: „Und was macht der …, dieses Mittelfeld-Monster, wie hieß
       er nochmal …? – ach ja: Delzepich.“
       
       Der golfende Günter ist ganz relaxter Zeitgenosse, mittlerweile ohne den
       einst markanten Schnauz, unaufgeregt, verschmitzt lächelnd oft. „Vor drei
       Jahren habe ich aus Jux mit Golf angefangen, jetzt bin ich dauernd hier.“
       Ja, das Virus. Handicap 18 hat er, ziemlich gut für die kurze Zeit. In
       Alemannias Traditionsmannschaft hat er aufgehört. „Zu viel Verschleiß im
       Körper, ich kam ja immer von Kraft und Power. Das wirkt sich aus.“ Und, hat
       er wirklich nie einen Pressschlag verloren? „Nein, ich glaube wirklich
       nicht.“
       
       ## Golfende Kicker
       
       Delze, wie ihn alle nannten, war der angsteinflößende Vollstrecker. Heute
       ist er leitender Beamter der städtischen Vollstreckungsbehörde. Er schwingt
       auffällig kontrolliert und schießt den Golfball durchaus weit, aber nicht
       übermäßig. Nach ein paar mieseren Schlägen hintereinander sagt er lapidar:
       „Das ist der Unterschied zum Fußball. Da hast du aus Frust danach mal einen
       umgehauen. Wenn du hier Mist spielst, kannst du dich nur selbst in den
       Hintern treten.“
       
       Golf ist für unzählige Exprofis die natürliche Fortsetzung ihrer Karriere
       mit Ball. Hier, im Golfclub Mergelhof, spielen auch die Ex-Alemannen Willi
       Haag, Thomas Stehle (Handicap 4!), Thomas Hengen (heute Alemannias
       Sportdirektor), Kai Michalke oder Sascha Rösler (heute Teamkapitän Fortuna
       Düsseldorf), lange war auch Erik Meijer (Holland, Sky) im Klub. Im
       bundesweiten Gofus e.V. schwingen gut 500 ehemalige und aktive Profigrößen
       (Flick, Hummels, Kuntz, Schmadtke, Ziege) für Jugendstiftungen. Präsident
       ist BVB-Pokallegende und Stadionsprecher Norbert Dickel. Und im Süden
       schwadroniert sich [2][die Dunkelgestalt Franz B.] über die Fairways und
       auch der Kahn und der Müller-Thomas.
       
       Zu Delzepich gehört die Erzählung, er habe auch mal einen Medizinball vom
       Elfmeterpunkt spaßeshalber übers Tor gedroschen. Eine Legende? „Nee, nee,
       das stimmt schon mit dem Drüberschießen.“ Nur, „das war mehrfach. Und nicht
       vom Elfmeterpunkt, sondern vom 16er.“ Und als Amateurtrainer habe er einmal
       einen solchen Ball einem Kicker zum Rückpass zugespielt. „Der ist
       umgefallen und hat sich fast den Fuß gebrochen.“ Auch diese Anekdote um
       Anstiftung zur Selbstverstümmelung kommt mit einem kleinen Lächeln.
       
       Und dann tritt Delze doch die eigene Legende vom Platz. Es seien nicht
       solche Magath-Medizinbälle gewesen, sondern diese aufgeblasenen
       Gummi-Gymnastikkugeln, durchaus schwer und deutlich größer als die braunen
       Lederkürbisse – er zeichnet mit den Armen einen Kreis von fast einem
       dreiviertel Meter. Aber egal welche Art, welche Größe – wenn Delze zutrat,
       möchte man nicht Ball gewesen sein.
       
       Aus dem Abc der Vorurteile, heute M wie Meter: Die taz hatte Delzepich am
       1. 4. 1985 als [3][„Zweimeter-Zweizentner-Zweitligabriegel“] apostrophiert.
       Doch, die Bezeichnung kenne er durchaus: „Meine Frau hat alle
       Zeitungsartikel gesammelt.“ Nur messe er bescheidene 1 Meter 91.
       
       30 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Delzepich
 (DIR) [2] /75-Jahre-Franz-Beckenbauer/!5707884
 (DIR) [3] /Archiv-Suche/!1288627&s=delzepich+Briegel&SuchRahmen=Print/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Müllender
       
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