# taz.de -- TV-Debatte Trump gegen Biden: Trump wütet, Biden bleibt ruhig
       
       > Die erste TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump
       > und Joe Biden war chaotisch – vor allem durch das Verhalten Trumps.
       
 (IMG) Bild: Immer schön gleichzeitig reden: TV-Debatte in Cleveland, Ohio
       
       New York taz | Der Donald Trump, der [1][2016 auf einer Debattenbühne]
       drohend hinter Hillary Clinton lauerte, war ein handzahmer Chorknabe
       gegenüber dem wildgewordenen Mann, der vier Jahre danach am Dienstagabend
       mit seinem Herausforderer Joe Biden [2][diskutiert] hat. Der US-Präsident
       hängt lauernd und feixend in seinem Pult. Jederzeit bereit, Tiefschläge
       auszuteilen. Sowohl gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten als
       auch gegen den Moderator, den Journalisten Chris Wallace vom rechten
       TV-Sender Fox. Trumps Unterbrechungen und Attacken haben nur selten mit dem
       Thema zu tun. Er debattiert nicht. Er versucht die anderen zu zerstören.
       
       „Sozialist“, zischt Trump schon nach weniger als fünf Minuten Debatte.
       Wenig später höhnt der 74-jährige US-Präsident über seinen 77-jährigen
       Herausforderer als einen Schulversager. „Joe hat keine Ahnung, was klug
       ist“, unterbricht er ihn. Und behauptet, als hätte das irgendeine Bedeutung
       für die Debatte oder für die Arbeit im Weißen Haus, dass er in der frühen
       Mitte des 20. Jahrhunderts ein brillanter, Biden hingegen ein schlechter
       Student gewesen sei.
       
       Als Biden darauf hinweist, dass die USA mit nur 5 Prozent der
       Weltbevölkerung 20 Prozent der Coronatoten haben, lobt Trump seinen eigenen
       Umgang mit der Pandemie als einen „phänomenalen Job“ und krakeelt: „Biden
       hätte nicht einmal Beatmungsgeräte hergestellt.“ Bei mindestens drei
       anderen Gelegenheiten unterbricht er Biden, um den Vornamen von dessen
       jüngerem Sohn „Hunter“ zu raunen. Sowie die Namen von Ländern, in denen der
       Geschäfte gemacht haben soll.
       
       Wer Trump über die Jahre beobachtet, konnte sich keine Illusionen über die
       potenzielle Qualität dieser Debatte machen. Die [3][Umfrageergebnisse] der
       letzten Zeit, in denen Trump konstant hinter Biden liegt, haben ihn noch
       wütender gemacht. Aber am Dienstagabend übertrifft er dennoch selbst die
       schlimmsten Befürchtungen.
       
       ## Biden zu Trump: „Mann, jetzt halte endlich mal den Mund!“
       
       „Ich bin der Moderator dieser Debatte. Und ich würde jetzt gern eine Frage
       stellen“, sagt Wallace nach den ersten Minuten. Schon zu dem Zeitpunkt muss
       er sehr und bestimmt laut reden, um gehört zu werden. Später erinnert
       Wallace Trump mehrfach daran, dass seine Kampagne die Regeln für die
       Debatte mit ausgehandelt hat. Und fordert ihn immer wieder entschieden auf,
       Biden zu Wort kommen zu lassen: „Herr Präsident, bitte!“
       
       Für Biden ist der Abend nach langen Pandemie-Monaten, in denen Trump auf
       allen Bildschirmen zu sehen war, die erste Gelegenheit, sich dem großen
       Publikum zu zeigen. Er spricht mehrfach direkt an die WählerInnen – während
       Trump vor allem ihn und den Moderator anstiert.
       
       Biden sieht jünger aus und wirkt deutlich energiegeladener als der Mann,
       den Trump „Sleepy Joe“ nennt. Er stottert auch kaum. Und er schafft es –
       trotz aller Provokationen – fast durchgängig die Ruhe zu wahren. Wenn Biden
       Trump als „Clown“ beschreibt und als er ihm nach der x-ten Unterbrechnung
       sagt: „[4][Mann, jetzt halte endlich mal den Mund]“, klingt das immer noch
       freundlich. Aber er hat auch härtere Vorwürfe. Er nennt Trump den
       „schlechtesten Präsidenten, den wir je hatten“ und einen „Rassisten“.
       
       Dennoch schafft Biden es kaum, über sein Programm und seine Bilanz zu
       sprechen. Moderator Wallace stellt Fragen zur Besetzung des Obersten
       Gerichts, über die Pandemie, über die Wirtschaftspolitik, das Klima und
       über systemischen Rassismus. Aber wenn Biden versucht zu antworten, fällt
       ihm Trump ins Wort.
       
       ## Trump zu Rechtsextremen: „Haltet euch bereit!“
       
       Wer den Schlagabtausch lange genug erträgt, erfährt immerhin, dass Biden
       Trumps Steuersenkungen für SpitzenverdienerInnen wieder abschaffen will.
       Dass er einen Klima-Plan hat, der Millionen Arbeitsplätze schaffen soll und
       dass er die USA zurück zum Pariser Klima-Abkommen bringen will. Er sagt
       auch, dass er die Polizei nicht abschaffen, aber reformieren will.
       
       Trump beantwortet die Fragen des Moderators nicht. Er ist nicht bereit,
       auch nur das Wort „Klimaforschung“ in den Mund zu nehmen. Er will nicht auf
       Distanz zu weißen Rassisten gehen. Als Moderator Wallace ihn
       [5][ausdrücklich dazu auffordert], sagt Trump an die Adresse der militanten
       rechtsextremen „Proud Boys“: „Tretet zurück. Und haltet Euch bereit!“
       Jemand müsse etwas gegen die Antifa und die Linke unternehmen, fügt er
       hinzu.
       
       Er weigert sich auch zu sagen, dass er abtreten wird, falls er im November
       verliert. „Wir wissen es möglicherweise erst nach Monaten“, warnt er über
       das Wahlergebnis. Und beschreibt ein Szenario, das von Chaos und
       Fälschungen geprägt ist, obwohl Wahlfälschung in den USA so selten
       vorkommen, dass sie statistisch kaum nachweisbar sind. Bei derselben
       Gelegenheit fordert der Präsident seine AnhängerInnen – nicht jedoch seine
       Landsleute insgesamt – auf, wählen zu gehen.
       
       Am Ende der eineinhalb Stunden schlägt eine Freundin in Washington vor,
       eine Petition zu organisieren. Thema: „Wir, das Volk, verlangen die
       sofortige Absage der weiteren Debatten.“ Vermutlich würde ein Abbruch der
       Debatten wenig am Wahlausgang ändern. Denn abgesehen von einer kleinen
       Gruppe von Unabhängigen haben die meisten WählerInnen, die überhaupt
       abstimmen wollen, ihre Entscheidung längst gefällt. Zigtausende von ihnen
       haben sogar – per Briefwahl – bereits ihre Stimme abgegeben.
       
       30 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /TV-Duell-Trump-gegen-Clinton/!5350225
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=Y4HQzeI8F_U
 (DIR) [3] https://www.realclearpolitics.com/epolls/2020/president/us/general_election_trump_vs_biden-6247.html
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=GxXTZFiVt7s
 (DIR) [5] https://www.youtube.com/watch?v=ugKBWaXfNZQ
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dorothea Hahn
       
       ## TAGS
       
 (DIR) US-Wahl 2024
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Joe Biden
 (DIR) Schwerpunkt Polizeigewalt und Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Donald Trump
 (DIR) Schwerpunkt Coronavirus
 (DIR) Melania Trump
 (DIR) US-Wahl 2024
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Donald Trump
 (DIR) US-Wahl 2024
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Donald Trump
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) US-Wahl 2024
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Coronainfektion des US-Präsidenten: In Trumps Dunstkreis
       
       Mehrere Personen aus Trumps Umfeld haben sich mit dem Virus angesteckt. Zu
       seiner Erkrankung gibt es von Ärzten widersprüchliche Aussagen.
       
 (DIR) Trump mit Coronavirus infiziert: Was wäre, wenn?
       
       Die Coronainfektion des US-Präsidenten Donald Trump einen Monat vor der
       Wahl wirft viele Fragen auf, politische und juristische. Vier Szenarien.
       
 (DIR) US-Präsident in Quarantäne: Trump positiv auf Corona getestet
       
       Der US-Präsident schrieb auf Twitter, er und seine Frau Melania seien an
       Covid-19 erkrankt. Trump habe sich bei seiner Beraterin angesteckt.
       
 (DIR) TV-Duell Biden gegen Trump: Die Letzten ihrer Art
       
       Die US-Präsidialdebatte ist geradezu symbolisch für die alternden
       westlichen Demokratien. Sie wissen sich schon viel zu lange nicht mehr zu
       erneuern.
       
 (DIR) US-Präsident Trump und die „Proud Boys“: „Sir, wir sind bereit!“
       
       Im TV-Duell mit Joe Biden umgarnte US-Präsident Donald Trump die
       rechtsextreme Gruppe „Proud Boys“. Wer steckt hinter dieser Gruppe?
       
 (DIR) TV-Debatte zwischen Trump und Biden: Der Profiboxer
       
       Trump hat geschafft, was ihm schon zur Präsidentschaft verhalf: Er ist
       unflätig, er ist laut, er lügt – und alle reden über ihn. Bidens Ruhe hilft
       da nicht.
       
 (DIR) Steuerakten des US-Präsidenten: Die Marke Trump ist zerstört
       
       Die Steuerenthüllungen sind für Trump nicht nur bedrohlich, weil sie seine
       Chancen schmälern, Präsident zu bleiben. Ihm drohen sogar Ermittlungen.
       
 (DIR) Steuerzahlungen des US-Präsidenten: Der arme Donald Trump
       
       Ganze 750 Dollar Einkommensteuer auf Bundesebene, aber Schulden von 421
       Millionen: Die „New York Times“ hat Donald Trumps Steuererklärungen
       gefunden.
       
 (DIR) Trumps Kandidatin fürs Oberste Gericht: Eine erzkonservative Katholikin
       
       Donald Trump nominiert Amy Coney Barrett für den Obersten Gerichtshof. Sie
       lehnt Obamas Gesundheitsreform und Abtreibungen ab.