# taz.de -- Ganz weit über dem Grenzwert
       
       > Unter den Großstädten wird Bremen zum Corona-Hotspot: Mit 99
       > Neuinfektionen ist hier die Inzidenzrate von 50 nun weit überschritten.
       > Bei der Nachverfolgung der Infektionsketten hilft jetzt die Bundeswehr
       
       VonSimone Schnase 
       
       Die Bremer Ärztekammer schlägt Alarm: Das Infektionsgeschehen in Bremen
       laufe aus dem Ruder, warnte am Mittwochmittag Kammerpräsidentin Heidrun
       Gitter – da hatte der Senat noch nicht einmal die aktuellen
       Infektionszahlen veröffentlicht.
       
       Und die sind mit 99 Neuinfektionen dramatisch. Während in Berlin die Zahl
       der Neuinfektionen pro 100.000 EinwohnerInnen innerhalb einer Woche am
       gestrigen Nachmittag noch bei unter 50 lag, nähert Bremen sich mit 57,6
       jetzt sogar der Inzidenzmarke von 60. Und das hat einschneidende Maßnahmen
       zur Folge (s. Kasten). Der Hauptgrund dafür, sagt die Ärztekammer, sei die
       Nichteinhaltung der Abstandsregeln.
       
       Außerdem werde kein Mund-Nasen-Schutz getragen, wenn der Abstand
       insbesondere in geschlossenen Räumen nicht eingehalten werden kann.
       Allerdings: So hoch die Zahlen in Bremen sind, so niedrig sind sie in
       Bremerhaven. Dort dümpelt die Inzidenzrate zuverlässig irgendwo bei vier.
       Halten sich die BürgerInnen Bremerhavens verantwortungsbewusster an die
       Regeln als die BremerInnen?
       
       Bremerhaven habe eine andere sozioökonomische Struktur als Bremen, sagt
       Lukas Fuhrmann, Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke):
       „Es gibt dort keine große Uni und die Altersstruktur ist dort deutlich
       älter.“ Und gerade junge Leute seien es, die sich aktuell infizierten.
       
       Um die Nachverfolgung der Infektionsketten zu verbessern, will Bremen neben
       den verschärften Maßnahmen mehr Containment-Scouts einstellen – und greift
       dabei auf die Unterstützung der Bundeswehr zurück. „Das hat den schlichten
       Grund, dass sie ausgebildete Leute zur Verfügung hat, die unverzüglich
       anfangen können“, sagt Fuhrmann. Und schließlich unterstütze die Bundeswehr
       die Arbeit in der Corona-Ambulanz ja ohnehin schon.
       
       8 Oct 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schnase
       
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