# taz.de -- heute in hamburg: „Ein Rückzugsort außerhalb der Wohnung“
       
       Interview Leonie Theiding
       
       taz: Frau von Eitzen, wird eine Bücherei als realer, begehbarer Raum und
       Treffpunkt in Zeiten von Corona, Kindle und digitalen Medien überhaupt noch
       gebraucht? 
       
       Sabine von Eitzen: Ja, natürlich. Unser Wunsch ist es, als dritter Ort des
       alltäglichen Geschehens wahrgenommen zu werden; ein Ort, der nicht Arbeit
       ist, nicht das Zuhause, aber an dem sich Menschen genauso wohlfühlen
       können. Unsere Direktorin nannte uns vor Corona-zeiten „das Wohnzimmer der
       Stadt“ und das wollen wir auch bleiben, was natürlich, unter Beachtung
       aller Hygienemaßnahmen, eine große Herausforderung ist. Trotzdem versuchen
       wir, uns als Treffpunkt für den Stadtteil zu öffnen, was kein digitales
       Medium ersetzen kann.
       
       Ist das mit Blick auf Ihren Standort besonders wichtig? 
       
       Ich glaube, dass das auf alle Bücherhallen zutrifft. Jedoch ist
       Wilhelmsburg ein Stadtteil, in dem viele Menschen über verhältnismäßig
       wenig Wohnraum verfügen. Da ist ein Rückzugsort außerhalb der Wohnung und
       ein Spaziergang zur Bücherhalle vielleicht noch wichtiger als andernorts.
       
       Was macht Flohmärkte besonders? 
       
       Naja, da werden Bücher gekauft, die sonst nie ausgeliehen werden würden.
       Die KundInnen wollen bestimmte Bücher – Klassiker und zeitlose Literatur –
       einfach gerne besitzen, obwohl sie sie schon gelesen haben oder nur weil
       sie irgendwann mal davon gehört haben. Im Gegensatz dazu leihen Mitglieder
       der Bibliothek aktuelle Bestseller aus. Das ist ein ganz anderes Bedürfnis
       als das beim Flohmarkt-Stöbern.
       
       Homeoffice, Kurzarbeit und viel mehr Freizeit – da wird schnell mal zu
       Hause ausgemistet. War das bei Ihnen in der Bücherei auch der Anlass für
       den Flohmarkt? 
       
       Das, was die Leute zu Hause ausgemistet haben, bekommen wir oft geschenkt
       und verkaufen es dann für ein, zwei Euro auf den Flohmärkten. Aber auch die
       Bibliothek sortiert natürlich regelmäßig Medien aus. Und wir hatten ja nun
       eine ganze Zeit lang geschlossen; da gucken wir natürlich besonders
       intensiv nach veralteten Büchern oder welchen, die nicht mehr ansprechend
       oder gar lesbar sind. Außerdem richten wir uns nach Statistiken, die uns
       angeben, welche Bücher nicht mehr ausgeliehen werden.
       
       Was ist denn momentan besonders gefragt? 
       
       Bei uns ist Kinderliteratur momentan beliebt, Bilderbücher sind der Renner.
       Wahrscheinlich ist das Vorlesen in Familien wichtiger geworden.
       
       6 Oct 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leonie Theiding
       
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