# taz.de -- heute in hamburg: „Wollen niemanden ausgrenzen“
       
       Interview Yevgeniya Shcherbakova
       
       taz: Frau Wolgast, wem stehen Sie persönlich näher, orthodoxen oder
       liberalen Jüdinnen und Juden? 
       
       Cornelie Sonntag-Wolgast: Ich bin da überhaupt nicht festgelegt. Mich
       interessieren das Thema und die Menschen jüdischer Abstammung und jüdischen
       Glaubens, die hier leben. Wie sie sich fühlen, ob sie überhaupt so eine Art
       von Gruppengefühl entwickelt haben und überhaupt hier sein wollen.
       
       Dann ist die Einladung an die liberale Gemeinde für Ihre Podiumsrunde zum
       jüdischen Leben in Hamburg wohl bei Postversand abgefangen worden …
       
       Das ist eine Frage, die haben wir uns insofern nicht so furchtbar intensiv
       gestellt, weil wir die Auseinandersetzung liberaler und orthodoxer Juden
       nicht ins Zentrum rücken, sondern Meinungen hören. Wir wollen niemanden
       damit ausgrenzen, nur weil wir nicht explizit jemanden der liberalen Linie
       auf dem Podium haben. Es soll aber auch um Kulturelles, die Eigenarten und
       das wirkliche und jetzige Leben von Juden und Jüdinnen gehen.
       
       Und ein wirkliches Leben haben liberale Juden und Jüdinnen nicht? 
       
       Doch, ganz sicherlich. Es wird auch zur Sprache kommen, da bin ich ganz
       sicher.
       
       Ein möglicher Wiederaufbau der Synagoge am Bornplatz wird mit einem
       Rabbiner der orthodoxen Gemeinde diskutiert. Dürfte die liberale Gemeinde
       denn wenigstens bei der Wiedereröffnung dabei sein? 
       
       Ganz bestimmt. Ich glaube allerdings nicht, dass es Sinn macht, die
       Synagoge am Bornplatz in ihrer alten Form wiedererstehen zu lassen. Da gibt
       es viele sehr vernünftige Gegenstimmen, die auch in der Presse diskutiert
       worden sind. Es wird darüber keine einheitliche Meinung auf dem Podium
       geben.
       
       Wussten Sie, dass die liberale Gemeinde sich mit der Reformgemeinde
       zusammentun wollte, um gemeinsam nach einer Lösung für ein würdiges
       Versammlungsgebäude zu suchen? 
       
       Davon habe ich gehört.
       
       Dann planen Sie auch eine Gegenveranstaltung mit der liberalen Gemeinde? 
       
       Nein, das haben wir bisher nicht vor. Aber wir haben zu dieser Podiumsrunde
       Publikum da und es könnte von ihnen ein Vorschlag kommen, dass man noch
       einen Abend mit ganz anderen Schwerpunkten aufleben lässt.
       
       Podiumsdiskussion „Jüdisches Leben in Hamburg“: Kulturforum im Ernst
       Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, Hauptbühne 19 Uhr, Eintritt
       frei
       
       21 Sep 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yevgeniya Shcherbakova
       
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