# taz.de -- „Hey, du da!“
       
       > Unerwünschte Anmache kommt beim Cornern überraschend – und doch kommt sie
       > vor
       
       Von Deborah Kircheis
       
       In Rostock treffen wir uns zum Cornern nah am Hafen. An warmen
       Sommerabenden ist es windiger als in der Innenstadt und auf der Straße
       fahren nach 22 Uhr kaum noch Autos. Die Getränke sind billiger als in der
       Kneipe und die Luft ist frischer und riecht nicht nach
       Zigarettenrauch,sondern nach Wasser und Fischen.
       
       Als eine Freundin von mir ihren 20. Geburtstag feierte, trafen wir uns auch
       am üblichen Platz. Unsere Gruppe bestand aus fünf jungen Frauen um die 20.
       Zur Feier des Tages gab es alle erdenklichen Sorten von unerträglich süßem
       Mischbier, selbstgemachten Moscow Mule, Rotwein (ab vier Euro gilt er als
       teuer) und Sternburg Export.
       
       Gegen 23 Uhr kamen drei junge Männer auf uns zu, wahrscheinlich Studenten.
       „Sagt mal, habt ihr leere Pfandflaschen für uns?“ Diese Frage überraschte
       uns, eigentlich kennen wir die üblichen Flaschensammler*innen hier, die
       Männer gehörten nicht dazu. „Nein, haben wir leider nicht“, erwiderte eine
       Freundin links von mir und drehte sich wieder zu uns. Doch die drei blieben
       beharrlich: „Ihr wisst schon, dass das eine Anmache sein sollte?“ „Wollt
       ihr jetzt nicht einfach weitergehen?“, fragte ich. Sie schauten mich
       entsetzt an. „Wer hat dich denn gefragt?“ „Niemand, aber ihr seht doch,
       dass das hier nichts wird.“ Sie warfen mir wütende Blicke zu. „Warum
       verbreitest du hier so miese Stimmung? Wir wollten uns doch nur nett mit
       euch unterhalten!“ Endlich verzogen sie sich, natürlich zur nächsten Gruppe
       junger Mädchen, circa zwei Meter von uns entfernt.
       
       Auf dem Heimweg kam ich noch an einigen jungen Leuten vorbei. Auf einmal
       hörte ich: „Da ist sie schon wieder! Hey, du da!“ Ein Typ stand direkt
       neben mir. In meinem Kopf fing es an zu arbeiten, dann sah ich die beiden
       anderen. Auch sie bauten sich neben mir auf. „Ach ihr seid die drei von
       vorhin?“, sagte ich. „Ja“, erwiderte der Erste, „und wir wollten dir nur
       noch einmal sagen, dass wir dein Verhalten von vorhin unhöflich und
       übergriffig fanden. Du bist wahrscheinlich sowieso eine Lesbe. Deswegen
       trägst du auch einen Nasenring.“
       
       Es entstehen schon sehr skurrile Momente beim Cornern.
       
       29 Aug 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Deborah Kircheis
       
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