# taz.de -- Staatliche Ballettschule Berlin: Der Tanz geht weiter
       
       > Die Staatliche Ballettschule soll weitermachen, sagt Schulsenatorin
       > Scheeres (SPD). Das Landesjugendballett wird abgewickelt.
       
 (IMG) Bild: Nur 20 Prozent der Fünftklässler machen später ihren Abschluss an der Staatlichen Ballettschule
       
       Berlin taz | Am Ende war es ein entschiedenes „Ja, aber“ zur
       skandalgeschüttelten Staatlichen Ballettschule und Schule für Artistik in
       Prenzlauer Berg, das Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag
       aussprach. „Es ist ganz klar, dass wir diese Schule erhalten wollen, es
       geht hier nicht um eine Schließung der Schule“, sagte Scheeres bei der
       Vorstellung der Abschlussberichte von Expertenkommission und
       Clearingstelle. Sechs Monate, von Februar bis Juli, hatte Scheeres durch
       externe ExpertInnen schwere Vorwürfe von [1][psychischer Gewalt und
       Mobbing] durch Lehrkräfte an der öffentlichen Schule aufarbeiten lassen.
       Aber, auch das stehe für sie fest: Die Schule müsse völlig neu aufgestellt
       werden, und das sei noch ein „langer Prozess“, sagte Scheeres.
       
       Exakt 267 Personen hätten sich an die Clearingstelle gewandt, sagte der
       Pädagoge Arthur Kröhnert. Die dreiköpfig besetzte Anlaufstelle sollte vor
       allem SchülerInnen einen geschützten Raum bieten, über Gewalterlebnisse an
       der Schule zu sprechen. Die Psychologin Elke Nowotny sprach am Montag von
       „Fällen von Bodyshaming, Erniedrigung und Verächtlichmachung“, die in ihrer
       Regelmäßigkeit und Häufigkeit rechtfertigten zu sagen: „Hier hat
       Kindeswohlgefährdung stattgefunden.“
       
       Allerdings, betonte Kröhnert auch: „Nicht alles, was uns erreicht hat, war
       negativ.“ Etwa 27 Prozent seien „ambivalent“ der Schule gegenüber gewesen,
       weil man etwa die künstlerische Ausbildung schätze. 13 Prozent hätten sich
       sogar „sehr positiv“ geäußert.
       
       Dennoch fiel das Urteil der Expertenkommission, die vor allem die
       Schulstruktur unter die Lupe nehmen sollte, am Montag relativ vernichtend
       aus: Unter der inzwischen gekündigten bisherigen Schulleitung habe es an
       Hilfsstrukturen gemangelt, die Schule brauche dringend sowohl ein
       Kinderschutz- wie auch ein Gesundheitskonzept, sagte der
       Kommissionsvorsitzende Klaus Brunswicker. Er empfehle der Schule außerdem,
       „demokratische Strukturen“ zu entwickeln. Die autoritär auftretende
       ehemalige Schulleitung habe Elternarbeit unterdrückt und auch dafür
       gesorgt, dass SchülerInnen sich aus Angst nicht an VertrauenslehrerInnen
       wandten.
       
       „Es kann ja wohl nicht sein“, war denn auch ein Satzanfang, den Scheeres am
       Montag häufig verwendete. Konkrete Konsequenzen werden die Ergebnisse von
       [2][Clearingstelle und Kommission] zunächst für fünf Lehrkräfte haben:
       Gegen die Schulleiter Ralf Stabel und Gregor Seyffert seien Kündigungen
       ausgesprochen worden, die arbeitsgerichtlichen Prozesse liefen noch. Drei
       weitere Fälle für Kündigungen würden „angedacht“, hieß es von Scheeres’
       Rechtsabteilung.
       
       ## Tanzkompagnie statt Landesjugendballett
       
       Auch das Landesjugendballett steht als Ganzes auf dem Prüfstand. Das hatte
       Scheeres vor ein paar Jahren selbst mit auf den Weg gebracht, „aber so, wie
       das jetzt umgesetzt wird, war das nicht gedacht“. Das Landesjugendballett
       sollte vor allem Auftrittsmöglichkeiten für die SchülerInnen generieren und
       QuereinsteigerInnen eine Möglichkeit geben, an die Schule zu kommen.
       Tatsächlich mussten gute SchülerInnen übermäßig viel tanzen, schlechtere
       bekamen keine Chance – und von außen kam kaum jemand. Nun soll das
       Landesjugendballett abgewickelt werden, stattdessen soll eine Tanzkompanie
       für AbsolventInnen gegründet werden, die ihnen erste Auftrittsmöglichkeiten
       bietet.
       
       Auch das pädagogische Know-how der TanzausbilderInnen soll angehoben
       werden, versicherte Scheeres: Die Expertenkommission hatte in ihrem Bericht
       empfohlen, es müsse mindestens ein Referendariat absolviert werden. So weit
       ging die Senatorin nicht – aber es soll Weiterbildungen geben.
       
       Gerade 20 Prozent schafften es, die Schule erfolgreich von Klasse 5 bis zum
       Abitur zu durchlaufen, sagte Kommissionschef Brunswicker. „Das sind keine
       zufriedenstellenden Zahlen“, sagte Scheeres. Helfen sollen nun
       Laufbahnberatungen und ein Mentoringsystem.
       
       7 Sep 2020
       
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