# taz.de -- heute in hamburg: „Unterkünfte schüren Rassismus“
       
       Interview Yevgeniya Shcherbakova
       
       taz: Herr Forsmann, wie utopisch ist Ihre Forderung an die Innenbehörde,
       auf Sammelunterkünfte für Geflüchtete zu verzichten? 
       
       Franz Forsmann: Das ist die Frage. Wir versuchen bereits seit Jahren, eine
       andere Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete zu bekommen. Humanitäre
       Aufnahmeeinrichtungen anstelle dieser menschenunwürdigen Lager.
       
       Menschenunwürdige Lager klingt sehr nach 1941. 
       
       Es geht nicht um den Vergleich mit KZs, aber diese Lager besitzen einen
       Charakter der Ausgrenzung. Das nimmt die Bevölkerung wahr und es entsteht
       eine Stigmatisierung. Das gilt heute genauso wie vor 70 Jahren.
       
       Gegen wen richtet sich Ihr Vorwurf, dass Rassismus geschürt wird? 
       
       Er richtet sich konkret gegen die Behörden und den Senat. Der Rassismus
       wird durch solche Unterkünfte geschürt. Wir haben es beispielsweise sehr
       oft erlebt, dass Eltern es ihren Kindern verbieten, geflüchtete Kinder in
       den Unterkünften zu besuchen. So entstehen bereits bei Kindern Vorbehalte.
       
       Warum klagen Sie nicht? 
       
       Es ist sehr schwer zu klagen. Die Behörden finden immer wieder Ausflüchte
       und die Gerichte entscheiden sich dann nach dem Motto: „Es geht nicht
       anders.“ Wir setzen eher darauf, dass wir die Bevölkerung über die Umstände
       informieren.
       
       Interessiert es die Bevölkerung überhaupt? 
       
       Wir haben Rückmeldungen von der Kirche, anderen Organisationen, den Linken.
       Ansonsten gibt es immer solche und solche Stimmen. Wir haben derzeitig
       einen starken Rechtsruck. Es hat Brände gegeben in Unterkünften und
       Angriffe gegen Geflüchtete. Wir müssen den Menschen aufzeigen, dass diese
       Art der Ausgrenzung zu Taten wie denen in Hanau führt.
       
       Ist es auch eine Frage von Ressourcen? 
       
       Nein. Man hätte schon längst Wohnungen für Geflüchtete schaffen können. Wir
       haben im Moment den Fall, dass 14.000 Geflüchtete eigentlich gar nicht mehr
       in Lagern wohnen müssten, aber dennoch dort sind, weil es keine Wohnungen
       gibt.
       
       Welchen konkreten Lösungsvorschlag unterbreiten Sie dem Senat? 
       
       Anfangen, Wohnungen für Geflüchtete zu bauen. Das ist machbar, wenn der
       politische Wille nur auch da wäre.
       
       4 Sep 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yevgeniya Shcherbakova
       
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