# taz.de -- heute in hamburg: „Gefährliche Leute“
       
       Interview Maike Krob
       
       taz: Herr Brückner, ist Halim Dener ein Opfer rassistischer Polizeigewalt? 
       
       Hartmut Brückner: Das kann man nicht so genau sagen. Es ist auf alle Fälle
       ein Zusammenhang da mit dieser Hysterie, die staatliche Stellen damals
       gegenüber allen Kurden und Kurdinnen geschürt haben. Es hieß, das seien
       höchst gefährliche Leute.
       
       Was ist passiert? 
       
       Halim Dener hat in Hannover Plakate der ERNK geklebt – eine
       Nebenorganisation der kurdischen Bewegung PKK. Beide Organisationen waren
       in Deutschland verboten. Daher wurde er von Polizisten des
       Spezialeinsatzkommandos überrascht und kontrolliert, in Zivil. Warum er
       getötet wurde, ist nie geklärt worden.
       
       Das Landgericht Hannover hat den Beamten Klaus T. freigesprochen. 
       
       Rolf Gössner, der Anwalt der Nebenklage, ist bis heute mit der Situation
       sehr unzufrieden. Die offizielle Version ist immer: Es ergab sich ein
       Gerangel, wodurch sich ein Schuss löste und Halim Dener in den Rücken traf.
       Und an dieser Verletzung ist er dann in der Nacht noch verstorben. In
       unserem Buch gibt es einen ausführlichen Prozessbericht von Gössner mit den
       ganzen Merkwürdigkeiten des verhandelten Prozesses.
       
       Was ist der Anlass für das Buch, 26 Jahre nach seinem Tod? 
       
       Wir hatten durch die Rote Hilfe Kontakt zu Kurden und Kurdinnen, die vor
       sechs Jahren ständig von der Polizei kontrolliert und drangsaliert wurden.
       Die staatlichen Stellen der BRD tun fast alles, was die türkische Regierung
       von ihnen in Bezug auf die Kurden und Kurdinnen will.
       
       Wie meinen Sie das? 
       
       Es ist ein Phänomen, dass die Türkei starken Druck ausübt, damit die
       kurdische Bewegung verboten bleibt. Sie werden systematisch von der
       Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie unter Generalverdacht
       stehen.
       
       Wie wollen Sie Dener künftig gedenken? 
       
       Wir hatten das Angebot vom Bezirksrat in Linden-Limmer, einem Stadtteil in
       Hannover, einen Platz nach ihm zu benennen. Aber der damalige
       Oberbürgermeister war so vehement dagegen, dass das auf juristischem Wege
       gescheitert ist. Nun werden wir keine Appelle mehr an die Stadt richten,
       weil diese nichts bewirken. Wir beenden die Kampagne in ihrer bisherigen
       Form, das heißt aber nicht, dass wir aufhören, Halim Dener zu gedenken.
       
       Buchvorstellung „Halim Dener – Gefoltert. Geflüchtet. Verboten.
       Erschossen.“ Im Garten der Roten Flora, 18.30 Uhr
       
       22 Jul 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maike Krob
       
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