# taz.de -- heute in bremen: „Hier werden die Grenzen aufgebrochen“
       
       Interview Dana Ehlert
       
       taz: Frau Schleising, was hat ein Wochenmarkt mit Kunst zu tun?
       
       Gertrud Schleising: Auf den ersten Blick vielleicht erst einmal nichts,
       aber Kunst ist ja auch eine Ware. Emotionale, künstlerische Impulse können
       als verführerisches Anregungs- und Genussmittel gesehen werden. Die
       Auseinandersetzung mit Kunst kann aber auch als ein Warenaustausch von
       Gedanke zu Gedanke verstanden werden. Warum sollte Kunst immer nur in
       Museen zu finden sein? Hier werden die Grenzen aufgebrochen.
       
       Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch? 
       
       Mit der Wochenmarkt-Galerie ist es möglich, einen anderen Fokus auf die
       Bremer Kunstszene zu legen. Wir möchten jetzt die Gelegenheit nutzen, die
       Arbeit der Künstlergemeinschaft des Güterbahnhofs nach außen zu tragen und
       den Ort zu bewerben, der sich gerade im Wandel befindet. Insofern ist eine
       Auslagerung unserer Zusammenarbeit in so eine Wochenmarktsituation geradezu
       genial. Wir streben etwas Interaktives an.
       
       Was gibt es hier zu entdecken? 
       
       Es wird auch für mich genügend Überraschungen geben. Eine Musikerin wird
       dabei sein. Ich weiß nicht, ob sie mit der Gitarre oder mit der
       Mundharmonika kommt. Außerdem wird ein Film gezeigt. Mit diesem gelingt ein
       Hineinschnuppern in die verschiedenen Bereiche des Künstlerareals. Der
       Güterbahnhof ist ja quasi eine Industriebrache. Die Räumlichkeiten sprechen
       davon. Die Besucher können in Künstlerbüchern und Regalen schmökern. Man
       kann sich in Ruhe setzen und blättern. Eben eine ganze Produktpalette.
       Einzelne Werke und Stücke sind auch käuflich zu erwerben. Es gibt Souvenirs
       und ein Gewinnspiel.
       
       Was genau kann man sich unter der „Produktpalette“ vorstellen? 
       
       Postkarten und kleine Objekte sind zu sehen – verschiedenes, was man
       braucht, um den Alltag zu bestreiten. Die Besucher können ruhig nah ran.
       Einmalhandschuhe sind vor Ort. Somit kann – trotz Corona – alles angefasst
       und entdeckt werden.
       
       Fließt das Thema „Corona“ auch in die Werke mit ein? 
       
       Inwieweit das schon in den Arbeiten integriert ist, ist eine gute Frage.
       Auf jeden Fall herrscht gerade ein Ausnahmezustand. Die Gedanken kreisen
       darum, was man bis dato als „normal“ verstanden hat, was wir unter
       Wirtschaft verstehen. Der Veranstaltungsstopp hat alle stark betroffen.
       Selbst wenn es nicht in die Werke sickert, es betrifft uns alle.
       
       20 Jun 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dana Ehlert
       
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