# taz.de -- Neuer Bildungsbericht: Kein Grund zum Schulterklopfen
       
       > Die Schulen sind kaum auf digitalen Unterricht vorbereitet. Gravierender
       > jedoch: Die soziale Herkunft entscheidet weiter über den Bildungsweg.
       
 (IMG) Bild: Herkunft ist immer noch entscheidend: Junge beim Kinderfest der Hilfsorganisation Arche in Berlin
       
       Die zentrale Botschaft des diesjährigen [1][Nationalen Bildungsberichts]
       ist wenig überraschend: Die Schulen sind mangelhaft auf den digitalen
       Unterricht vorbereitet. Zwar stammen die Daten, aufgrund derer die
       Bildungsforscher:innen ihr vernichtendes Urteil bilden, aus dem Jahr 2018
       und damit von vor dem Ausbruch der Coronapandemie, doch das Argument, die
       Schulen wären seit dem Sprung ins kalte Wasser die digitalen Defizite
       beherzt angegangen, trügt.
       
       Dass Bund und Länder in die digitale Infrastruktur investiert haben – und
       das auch nur, weil Corona sie gezwungen hat –, ändert nichts am zentralen
       Kritikpunkt der Wissenschaftler:innen: Der Einsatz neuer Medien im
       Unterricht steht und fällt mit der „Grundhaltung des Personals“, wie der
       Bericht feststellt. Davon konnten sich in den vergangenen Monaten
       Schüler:innen und Eltern überzeugen. Es ist also höchste Zeit, mediale
       Kompetenzen zum Pflichtteil des Studiums zu machen – egal ob in Kunst,
       Mathe oder Philosophie. Mit Technik allein, das mahnt auch der
       Bildungsbericht an, ist es nicht getan.
       
       Gravierender jedoch ist ein weiterer Befund: [2][Die soziale Herkunft
       bleibt weiterhin maßgeblich] für die Bildungskarriere. Oder anders
       formuliert: Trotz des Ausbaus von Gesamt- und Gemeinschaftsschulen und
       weiterer Bemühungen, das Bildungssystem „durchlässiger“ zu gestalten,
       schaffen es Kinder aus sozial benachteiligten Familien in der Regel nicht,
       den Nachteil im Laufe der Schulzeit aufzuholen.
       
       Dagegen hilft nur, schon zum Schulstart möglichst gleiche Chancen zu
       schaffen. Und dafür müsste dringend die Kita-Betreuung weiter ausgebaut
       werden. Momentan nimmt diese laut Bildungsbericht nur jedes dritte Kind
       unter 3 Jahren in Anspruch.
       
       Möglicherweise ließe sich durch die stärkere frühkindliche Förderung auch
       eine andere Entwicklung korrigieren: Die Zahl der Jugendlichen, die die
       Hauptschule ohne Abschluss verlassen, ist erstmals seit 2013 wieder
       gestiegen. Es gibt also weiter viel zu tun für die Politik – auch ganz
       analog.
       
       23 Jun 2020
       
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 (DIR) Ralf Pauli
       
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