# taz.de -- Drei Tote in Reading, England: Terror am Sommerabend
       
       > In einem Park in Reading tötet ein libyscher Flüchtling drei Menschen mit
       > einem Messer. Die Behörden behandeln die Tat als Terrorismus.
       
 (IMG) Bild: Schock über Attentat: Ein Mann legt Blumen am Zaun der Forbury Gardens in Reading ab
       
       London taz | Eine Messerattacke in der englischen Stadt Reading ist am
       Sonntag von der Polizei offiziell als Terrorismus eingestuft worden. Andere
       schätzen es als Tat einer Person mit psychischen Störungen ein.
       
       Drei Menschen verloren ihr Leben, drei weitere wurden bei dem Angriff am
       Samstagabend gegen 19 Uhr verletzt, einer von ihnen schwer. Der Täter hatte
       eine Gruppe von rund zehn Männern, die wie viele andere ihren Samstagabend
       am längsten Tag des Jahres gemeinsam im Park Forbury Gardens im
       Stadtzentrum Readings verbrachten und auf dem Rasen Bier tranken, mit
       seinem urplötzlichen Angriff überrascht.
       
       Er habe gezielt mit einem „riesigen“ Messer, so ein Augenzeuge, auf die
       Oberkörper und den Halsbereich eingestochen. Dabei soll er laut Augenzeugen
       etwas Unverständliches geschrien haben. Nachdem er auch noch eine andere
       nichtsahnende Gruppe attackiert hatte, soll er die Flucht ergriffen haben
       und wurde danach den Berichten zufolge von einem Polizisten zu Boden
       gerungen.
       
       Laut Aussagen der zuständigen Thames-Valley-Polizei handelt es sich beim
       festgenommenen Täter um einen 25-jährigen Libyer. Die Behörden gaben an,
       dass sie derzeit nach keiner anderen Person suchen. Des Weiteren wurde
       bestätigt, dass die Tat nichts mit den [1][aktuellen Protesten im
       Zusammenhang mit Black Lives Matter] zu tun habe. Erst zwei Stunden zuvor
       hatte die antirassistische Protestbewegung eine friedliche Kundgebung in
       dem Park abgehalten.
       
       ## Ein von anderen abgeschottetes Leben
       
       Britische Medien nannten am Sonntagmittag den Namen eines libyschen
       Flüchtlings, der vor mehreren Jahren nach Großbritannien gekommen sei, auch
       schon im Gefängnis gesessen habe und einmal wegen des Mitführens einer
       Waffe eine Geldstrafe bekam.
       
       Eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus der ärmeren Viertel Readings, in
       welcher der Täter gewohnt haben soll, wurde noch in der Nacht zum Sonntag
       von der Polizei durchsucht. Gegenüber Journalisten sagten befragte
       Nachbarn, dass der mutmaßliche Täter ein abgeschottetes Leben führt. Er
       soll Nachbarn oft mit Schlägen gegen die Wände gestört haben.
       
       Ein Nachbar glaubte, der Mann sei oft weg gewesen und sei von einem
       Sozialarbeiter betreut worden. Aus diesen Angaben wird geschlossen, dass
       der 25-Jährige psychische Probleme hatte, die ein Faktor bei der Tat
       gewesen sein könnten. Doch all dies wurde noch nicht offiziell bestätigt.
       
       Sollte der Täter tatsächlich an psychischen Störungen gelitten haben,
       könnte dies Fragen bezüglich der Fürsorge für psychisch labile Menschen
       während der Coronapandemie aufwerfen. Doch dass die Antiterrorpolizei nun
       die Ermittlungen übernommen hat, weckt auch Erinnerungen an andere
       Anschläge.
       
       ## Johnson deutet Konsequenzen an
       
       Erst am 2. Februar hatte ein kurz zuvor aus der Haft wegen Verbreitung
       terroristischen Gedankenguts entlassener Täter bei einem Messerangriff in
       Streatham im Süden Londons mehrere Menschen verletzt, bevor er erschossen
       wurde. Im Mai 2017 hatte ein Libyer bei einem Selbstmordanschlag auf ein
       Popkonzert in Manchester [2][23 Menschen getötet].
       
       Premierminister Boris Johnson und andere Politker*innen sprachen ihr
       Entsetzen und ihre Anteilnahme nach dem Angriff aus und gaben an, dass
       vielleicht Gesetze geändert werden müssten, um besser vor derartigen
       Angriffen zu schützen. Es sei für Festlegungen noch zu früh, so Johnson in
       einem TV-Interview, „aber wenn Veränderungen nötig sind, werden wir nicht
       zögern, so wie schon bei der automatischen vorzeitigen Entlassung von
       terroristischen Tätern“.
       
       Hier hatte es nach dem Messerangriff von Streatham Verschärfungen gegeben.
       Labour-Chef Keir Starmer, ein ehemaliger britischer Generalstaatsanwalt,
       bot der Regierung Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung an und sagte,
       dies sei kein Zeitpunkt für parteipolitische Auseinandersetzungen.
       
       21 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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