# taz.de -- petition der woche: Eure Bierzelt-Hits sind unser Albtraum!
       
       Am Ufer der Donau liegt „ein schlafendes Mädel“ und wird vergewaltigt.
       Darum geht es in dem Text eines beliebten Bierzelt-Hits, der auf einem
       Volkslied beruht. Eine Studentin aus Passau hat mit Gleichgesinnten
       [1][eine Petition gegen das „Donaulied“ gestartet] und will erreichen, dass
       Lieder wie dieses nicht mehr in Bierzelten und Kneipen gesungen werden.
       
       „Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand“, so berichtet in dem Lied ein
       Wanderer, und dann, so heißt es weiter, weil sie die Beine so weit von sich
       gestreckt hatte und ihr „schneeweißer Busen“ halbbedeckt war, macht er sich
       „über die Schlafende her / oh oh oh olalala“. So verharmlost das Donaulied
       eine Vergewaltigung.
       
       Die Initiatorin der Petition, Corinna Schütz, hatte das Lied schon vor zwei
       Jahren gestört, als sie es zum ersten Mal im Bierzelt hörte: „Du schamloser
       Bursche, was hast du vollbracht / Du hast mich im Schlafe zur Mutter
       gemacht“, beschwert sich die Frau im Donaulied – und ihr Vergewaltiger
       antwortet: „Du saublöde Schlampe, was denkst du von mir / oh oh oh olalala
       / Ich trage doch immer den Gummi bei mir.“
       
       Damals wusste Schütz gar nicht, was sie dagegen unternehmen könnte, das
       ganze Zelt hatte ja mitgesungen. Später hat sie viele andere Menschen
       gefunden, die gleicher Meinung waren: dass Lieder wie das „Donaulied“
       sexistisch sind und Vergewaltigungen normalisieren. Schütz hat dann die
       Petition zusammen mit mehr als 50 anderen Menschen gestartet, als Aktion
       gegen den weit verbreiteten Bierzelt-Sexismus.
       
       „Sexuelle Gewalt ist nicht nur physische Gewalt, sondern sie kann auch ein
       Bild, ein Wort oder ein Lied sein“, sagt die 22-Jährige. Sie hofft, dass
       sie mit ihrer Petition dafür Bewusstsein schaffen kann: „Die Menschen
       sollen darüber nachdenken und endlich begreifen, dass so ein Lied
       eigentlich nicht okay ist.“ Ein Verbot des Songs sei aber gar nicht ihr
       Ziel, sondern: Sie sollten freiwillig auf das Singen verzichten.
       
       „Sprache formt das Denken. In diesem alten Volkslied vermittelt der
       umgeschriebene Text ein Weltbild, welches sexuelle Gewaltfantasien gegen
       Frauen normalisiert und verherrlicht. Deswegen stellt das ‚Donaulied‘ eine
       Form sexueller Gewalt dar“, steht auf der Seite der Petition.
       
       Bis jetzt haben mehr als 26.400 Menschen die Petition gegen das „Donaulied“
       unterstützt. Auch von der Politik hat die Petition positives Feedback
       bekommen. Vor allem haben Jusos in der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP
       die Petition unterstützt. Die Initiatorin wurde aber auch von vielen
       beschimpft und beleidigt, bis hin zu Mord- und Vergewaltigungsdrohungen.
       
       In den Kommentaren auf der Petitionsseite wird bestritten, dass der Text
       eine Vergewaltigung beinhaltet: „Vergewaltigt? Oder vielleicht doch nur
       verführt? So reagiert also eine Frau, die gerade vergewaltigt wurde? Man
       lernt wohl nie aus.“ Oder: „Diese Übertreibung von Kleinigkeiten muss
       aufhören. Es kann nicht sein, dass eine ängstliche 22-Jährige mit
       unsinnigen Argumenten von angeblichem Bierzelt-Sexismus alle normalen
       Menschen, die fröhlich Lieder singen, zu potenziellen Vergewaltigern
       abstempelt.“ Und weil sexuelle Gewaltfantasien gegen Frauen kleingeredet
       werden, will sich Corinna Schütz weiter gegen Sexismus bei Volksfesten
       einsetzen. Negin Behkam
       
       6 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.openpetition.de/petition/online/bierzeltsexismus-aktion-gegen-das-donaulied
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Negin Behkam
       
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