# taz.de -- Schutzmaßnahmen für Erntehelfer: Verrottetes Essen, Zimmer zu fünft
       
       > Am Montag demonstrierten Saisonarbeiter gegen die Arbeitsbedingungen bei
       > der Spargelernte. Der Insolvenzverwalter ihres Hofs wies die Vorwürfe
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Erntehelfer vom Spargelbetrieb Ritter in Bornheim protestieren gegen Missstände
       
       Bornheim dpa/lnw/taz | Etwa50 Erntehelfer*innen des Spargelhofs Ritter in
       Bornheim bei Bonn haben am Montag erneut gegen die [1][Wohn- und
       Arbeitsbedingungen] protestiert. Laut Polizei verlief die Demonstration
       friedlich. Allerdings hätten private Security-Kräfte des Hofs
       Gewerkschaftsvertreter*innen den Zugang zu den Wohnbaracken der
       Saisonarbeiter*innen verwehrt, sagte ein Gewerkschaftssprecher.
       
       Die überwiegend rumänischen Beschäftigten hatten schwere hygienische Mängel
       in den dicht gedrängten Baucontainern und Sanitäranlagen beklagt. Zudem
       erhielten sie verrottete Nahrungsmittel; warmes Wasser würde ihnen
       verwehrt, so der Gewerkschaftszusammenschluss FAU.
       
       Die Baracken stehen direkt neben einer Kläranlage und einer Bahnlinie, auf
       dem Gelände liegen Müll und Schutt. Der Hof ist insolvent, der
       Insolvenzverwalter wies die Vorwürfe jedoch zurück. Der Bonner
       General-Anzeiger hatte berichtet, dass rund 240 Erntehelfer*innen teils zu
       viert oder zu fünft auf einem Zimmer untergebracht seien. Die FAU hatte den
       Protestmarsch am Montag angemeldet. Der Gewerkschaftssprecher warf dem
       Arbeitgeber vor, den Beschäftigten ihren Lohn ganz oder teilweise
       vorzuenthalten.
       
       Ihnen sei angekündigt worden, dass sie bis Dienstag die Unterkünfte
       verlassen müssten. Der Sprecher sagte: „Trotz Corona und Insolvenz hat man
       diese Menschen aus Rumänien hier hergeholt, um Spargel und Erdbeeren zu
       ernten. Nun prellt man sie um ihren Lohn und droht ihnen mit
       Obdachlosigkeit.“
       
       Prekäre Wohnverhältnisse im Fokus der Öffentlichkeit 
       
       Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen versicherte, dass jeder
       Arbeiter sein Geld erhalte. Zudem sei der Betrieb noch am Freitag nach
       Bekanntwerden der Beschwerden gereinigt worden. Arbeitsschutz, Gesundheits-
       und Ordnungsamt hätten ihn danach besichtigt und keine Beanstandungen
       gehabt. Wegen fehlender Nachfrage sei die Spargelernte beendet worden. Den
       betroffenen Arbeitern habe er aber Ersatz bei der Erdbeerernte angeboten.
       
       Gewerkschaftsmitglieder unterstützten den Protestzug. „Deutschland, Du
       mieses Stück Spargel“ oder „Solidarity“, stand auf Transparenten der
       Demonstrant*innen. Prekäre Wohnverhältnisse in personalintensiven Betrieben
       stehen seit dem [2][Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik in Coesfeld]
       besonders im öffentlichen Fokus.
       
       19 May 2020
       
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