# taz.de -- corona in bremen: „Einen Schritt zurücktreten“
       
       Interview Sophie Lahusen
       
       taz: Herr Besser, Sie haben ein Spiel zur Corona-Krise entwickelt – finden
       Sie nicht, dass wir uns schon genug damit auseinandersetzen müssen und Uno
       oder Activity da nicht die bessere Ablenkung wäre? 
       
       Ralf Besser: Gegen Uno oder Activity ist nichts einzuwenden. Das Spiel
       strebt allerdings keine Ablenkung, sondern eine andere Art der bewussten
       Auseinandersetzung an. Die Nachrichten über die Corona-Krise drehen sich
       oft im Kreis. Das Spiel soll im Kern neue Perspektiven eröffnen. Man kann
       sich in jemand anderen hineinversetzen: „Wenn ich ein Politiker oder eine
       Krankenschwester wäre?“ oder „Wenn ich ein Geschäft hätte!“. In dem Spiel
       sind Situationen beschrieben, die man vorher vielleicht nicht bewusst
       wahrgenommen hat. Und so denkt man über Aspekte einmal anders nach.
       
       Macht das Spiel trotzdem noch Spaß? 
       
       Es macht bereits Spaß beziehungsweise es erleichtert, einmal aus gewohnten
       Denkschleifen herauszukommen. Es geht bei dem Spiel überhaupt nicht um
       Richtig oder Falsch, sondern darum, andere Perspektiven einzunehmen. So
       lässt sich der eigene Denkraum erweitern. Im Moment wird ja alles mehr oder
       weniger problemorientiert diskutiert. Ich habe bewusst Humoristisches über
       ungewöhnliche Situationen eingebaut. Beispielsweise muss man sich bei einer
       Karte vorstellen, dass man mit dem Virus sprechen kann. „Was würde man ihm
       dann sagen, worüber sich mit ihm austauschen?“
       
       Bei persönlichen und finanziellen Krisen durch Corona ist vielen aber
       sicherlich nicht nach Spielen zumute ... 
       
       Ja, solch eine Kritik habe ich auch erhalten und daher ein weiteres Spiel
       entwickelt, ein eher ernsthaftes Klärungstool. Man kann damit strategisch
       seine Situation durchspielen. Es folgt im Kern dem Spruch: „Gott, gib mir
       die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut,
       Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom
       anderen zu unterscheiden.“ Wie kann man dazu seine eigene Haltung sinnvoll
       verändern? Bei den veränderbaren Dingen lassen sich Ideen entwickeln, die
       helfen, anders mit der Situation umzugehen. Das ist nicht unbedingt
       einfach, aber auch dieser Perspektivwechsel ist hilfreich.
       
       Das Tool heißt „Hilfe zur Selbsthilfe“ – was bedeutet das für Sie in dieser
       Situation? 
       
       Einen Schritt zurückzutreten, um einmal aus der eigenen Betroffenheit
       herauszukommen. So lässt sich einmal probeweise eine neutrale Perspektive
       einnehmen. Viele fühlen sich und sind gerade auch sehr fremdgesteuert.
       Letztendlich steckt in jeder Situation jedoch immer auch eine Chance. Die
       gilt es für sich selbst zu erkunden. Ob man sie wahrnimmt oder wahrnehmen
       möchte ist natürlich eine andere Frage.
       
       11 Apr 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sophie Lahusen
       
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