# taz.de -- Corona-Tests in Hamburg: Lieber heilen als testen
       
       > Hausärzt*innen fordern, weniger Corona-Tests zu machen, um Ressourcen zu
       > sparen. Viele Testzentren soll es derweil erst einmal doch nicht geben.
       
 (IMG) Bild: In Hamburg noch Zukunftsmusik: Eingang zu einem Corona-Testzentrum
       
       Hamburg taz | Bis zu sieben [1][Coronavirus-Testzentren], die neben
       Krankenhäusern aufgebaut werden sollten, hatte Gesundheitssenatorin
       Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) vor zwei Wochen angekündigt. Diese Zentren
       waren für die Menschen gedacht, die keine Symptome haben, sich aber
       trotzdem testen lassen wollen. Jetzt liegt der Plan weitgehend auf Eis, wie
       die Senatorin am Dienstag in der Landespressekonferenz sagte.
       
       Die Idee sei entstanden, als der Arztruf 116 117 überlaufen gewesen sei,
       weil auch viele Menschen ohne Symptome das Angebot überstrapaziert hätten.
       Am Montag [2][gab die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) aber
       bekannt], dass sich die Lage beim Arztruf dank ausgebauter Kapazitäten und
       weniger Anrufe entspannt habe. „Wir sind problemlos erreichbar und schnell
       beim Patienten“, sagte Walter Plassmann, Vorsitzender der KVH. Testzentren
       seien derzeit nicht erforderlich, auch die Schutzkleidung reiche „auf
       mittlere Sicht“ aus.
       
       Man habe sich mit der KVH darauf verständigt, die Pläne für Zentren
       bereitzuhalten und darauf zurückzugreifen, wenn die Lage es erfordere,
       sagte Prüfer-Storcks am Dienstag.
       
       Ein Testzentrum solle jedoch als „Pilotprojekt“ starten. In Bergedorf hatte
       ein Hausarzt nach eigener Aussage gemeinsam mit dem dortigen Gesundheitsamt
       ein Drive-in-Zentrum geplant. Kurz vor der Eröffnung am Dienstag kam aber
       die Absage vom Gesundheitsamt. Für den Arzt, Gregor Brinckmann, vollkommen
       unverständlich.
       
       ## Schutzmaterial ist Mangelware
       
       „So toll, wie es laut Gesundheitsbehörde und KV angeblich bei den Tests
       läuft, läuft es nicht“, sagt Brinckmann. Zwar sei die KVH um Schutzmaterial
       bemüht, das gelinge aber nicht in ausreichendem Maße. Ein Drive-in sei eine
       gute Möglichkeit, vorhandenes Material gezielt und sinnvoll einzusetzen.
       
       Brinckmanns Plan, dem sich auch andere Ärzt*innen anschließen wollten, ist,
       dass zunächst die behandelnden Hausärzt*innen entscheiden, ob jemand einen
       Test braucht oder nicht. Wenn ja, sollten die Patient*innen in das Zentrum
       kommen und sich unter Anleitung selbst testen. „Die Idee war, die
       Hausarztpraxen zu entlasten“, sagt Brinckmann.
       
       Sie sei nicht gegen die Initiative gewesen, sagte Prüfer-Storcks am
       Dienstag. Es seien nur noch Dinge mit der KV zu klären gewesen und das sei
       nun geschehen. Die Senatorin betonte, wie umfangreich in Hamburg derzeit
       getestet werde.
       
       Dass Ärzt*innen genau davon Abstand nehmen, fordert jedoch der
       Hausärzteverband Hamburg. In einem Schreiben an seine Mitglieder, das der
       taz vorliegt, fordert der Vorstand, dass Ärzt*innen nur dann auf das
       Coronavirus testen, wenn es das Management der Patient*innen ändere. „Das
       wird extrem selten der Fall sein, und dann auch nur, wenn die betreuende
       Hausärzt*in zufällig noch Schutzkleidung hat“, heißt es.
       
       Außerdem solle medizinisches Personal Abstriche bekommen, „um rasch zurück
       zu den Kranken kommen zu können, sobald der Test wieder negativ ist“. Die
       Ärzt*innen sollen aufgrund der Symptomatik der Erkrankten handeln und nicht
       nach den [3][Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI)].
       
       Er erwarte, dass die Kapazitäten für die Massen, die laut RKI idealerweise
       getestet werden sollten, nicht ausreichen, sagt Frank Stüven, erster
       Vorsitzender des Verbands, auf Anfrage der taz. „Insbesondere nicht, wenn
       Hausärzt*innen für Abstrichzentren eingesetzt werden, denn dies kann
       wirklich jeder erlernen.“
       
       ## Auch Patient*innen ohne Corona müssen geschützt werden
       
       Hausärzt*innen würden in ihren Praxen gebraucht und zwar auch von
       Patient*innen ohne Coronaviruserkrankung. Und auch um Patient*innen in
       Pflegeheimen besuchen zu können, brauche es Schutzkittel, damit nicht die
       Ärzt*innen möglicherweise das Virus zu ihnen tragen, schreibt Stüver in
       seinem Brief. Weniger Tests und klare Anordnungen auch bei möglichen
       Verdachtsfällen würden auch den Arztruf entlasten, dessen ausgebaute
       Kapazitäten bald für den Besuch bei kritisch Kranken benötigt würden.
       
       Auch der Bergedorfer Arzt Brinckmann ist im Vorstand des Hausärzteverbands.
       Er sieht sein Drive-in-Testzentrum nicht im Widerspruch zu dem Schreiben
       des Verbands, stehe voll dahinter. „Unsere Aufgabe ist Versorgung und nicht
       Testung“, sagt er. Die Anleitung in dem Drive-in müssten auch nicht
       dauerhaft Ärzt*innen machen.
       
       Auch die KVH unterstütze das Schreiben des Verbands, genauso wie den
       Ansatz, „nur dann zu testen, wenn das Testergebnis Auswirkungen auf die
       therapeutischen Entscheidungen hat“, sagt ein Sprecher auf Anfrage der taz.
       Die Position der Gesundheitsbehörde bleibt offen. Eine Anfrage der taz vom
       Montag blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die Behörde kündigte aber
       eine zeitnahe Antwort an.
       
       1 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ausbreitung-des-Corona-Virus/!5672313
 (DIR) [2] https://www.kvhh.net/kvhh/pages/index/p/26/202
 (DIR) [3] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Massnahmen_Verdachtsfall_Infografik_DINA3.pdf?__blob=publicationFile
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marthe Ruddat
       
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