# taz.de -- Coronavirus in der Türkei: Der erste offizielle Fall
       
       > Am Dienstag wurde die erste Corona-Infektion in der Türkei bestätigt.
       > Zuvor fragten sich viele, wie das Land bis dahin vom Virus verschont
       > geblieben war.
       
 (IMG) Bild: „Kein Virus ist stärker als die Vorkehrungen, die wir treffen“, sagt der türkische Präsident
       
       Obwohl sich das Coronavirus weltweit schnell ausbreitet, gab es bis
       Dienstagnacht in der Türkei keinen einzigen offiziell registrierten Fall.
       Viele Menschen fragten sich, wie es sein konnte, dass sich das Virus von
       China bis nach New York ausbreiten konnte, ohne die Türkei zu erreichen –
       obwohl alle Nachbarstaaten stark infiziert sind. Bisher hatte es im
       staatlichen Fernsehen geheißen, die Türkei sei in der Bekämpfung des
       Coronavirus derart erfolgreich, dass Vertreter*innen von 26 Ländern lernen
       wollten, was die türkische Regierung richtig machte. Aber ganz so war es
       nicht.
       
       Das erste Anzeichen von Corona in der Türkei kam von Präsident Erdoğan: Es
       tauchte ein Video auf, das Erdoğan dabei zeigt, wie er am Sonntag fleißig
       Hände schüttelte, mitten in der Zeremonie plötzlich innehielt und den auf
       präsidentielle Beehrung Wartenden erklärte: „Ich hätte euch jetzt ja auch
       das Coronavirus bringen können. Hören wir ab jetzt auf mit Händeschütteln!“
       Am Dienstag sagte Gesundheitsminister Fahrettin Koca, dass
       Coronavirus-Fälle in der Türkei „sehr gut möglich“ seien. Später in der
       Nacht wurde der erste Fall von Corona in der Türkei bestätigt.
       
       Wenn also alle den gleichen Verdacht hatten, warum dauerte es dann so
       lange, einen Fall zu identifizieren? In den vergangenen Wochen gab es
       einige unbestätigte Fälle des Virus, die das Gesundheitsministerium rasch
       zurückwies. Diejenigen, die Panik verbreiteten, wurden mit Strafverfolgung
       bedroht. Das Virus wurde auch auf Turkish Airlines-Flügen entdeckt, an
       Passagieren im Transit zu anderen Ländern.
       
       Und da keine offiziellen Fälle bestätigt wurden, begannen die Experten in
       regierungsnahen Fernsehsendern zu diskutieren, ob „das türkische Gen immun
       gegen Covid-19“ sei. Nun, da es einen solchen Fall gibt, beschuldigte das
       Regierungsblatt Yeni Akit einen Oppositionspolitiker (der ein Reiseverbot
       hat), das Virus „aus dem Iran mitgebracht“ zu haben.
       
       Die Frage ist also einfach: Gibt es tatsächlich hunderte, wenn nicht
       tausende von nicht identifizierten Corona-Fällen in der Türkei? Oder hat
       die türkische Regierung tatsächlich alles unter Kontrolle? So oder so, die
       gegenwärtige Situation muss Präsident Erdoğan Vertrauen gegeben haben:
       „Kein Virus ist stärker als die Vorkehrungen, die wir treffen“, sagte er am
       Mittwoch. Vielleicht weiß Erdoğan etwas, was wir nicht wissen.
       
       Der Grund für die Zweifel liegt in der Vorgeschichte der türkischen
       Regierung, wenn es um Transparenz in Krisenzeiten geht. Die größte Angst
       der Menschen ist, dass das Virus vielleicht nur in den Augen der türkischen
       Regierung nicht existiert. Genau wie Rassismus, die Wirtschaftskrise oder
       inhaftierte Journalist*innen.
       
       Vielleicht ist die Antwort aber auch viel beruhigender: Laut einer Umfrage
       des Umfrageinstituts Gallup International von 2015 gehört die Türkei zu den
       Ländern, in denen prozentual die meisten Menschen ihre Hände waschen.
       
       11 Mar 2020
       
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