# taz.de -- Nils Schuhmacher Hamburger Soundtrack: Von Ohrwürmern und anderen Ansteckungen
       
       Wer mag sich derzeit nicht an den „Happy“-Song von 2013 erinnern? Pharrell
       Williams legte mit einer einstündigen Tanzperformance vor. Das Video „ging
       viral“, wie man in diesen sorgloseren Zeiten noch zu sagen pflegte, und
       wurde weltweit von Tanzkursen, Kindergartengruppen, Betriebsbelegschaften,
       Flashmobs, Tieren und sogar Zeitungsredaktionen (z. B. Hessisch
       Niedersächsische Allgemeine) um eigene Performances ergänzt.
       
       Am Ende tanzte die ganze Welt, zumindest jener Teil mit Internetzugang.
       Diese Art der Herstellung und virtuellen Darstellung von Gemeinschaft kommt
       derzeit natürlich nicht in Betracht. Genau genommen fällt fast jede Form
       von körperlicher Versammlung aus, was zum Beispiel notorisch prekäre
       Künstler*innen genauso hart zu spüren bekommen wie die gesamte
       Veranstaltungsbranche.
       
       Das höchste der Gefühle scheint unter diesen Bedingungen der vietnamesische
       „Washing Hand Song“ von Erik und Min, der, wie man heute sagt, „die Runde
       macht“. Er löst nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks zwar
       „Ohrwurm-Alarm“ aus, aber in Bezug auf die Problematik dieses Syndroms
       scheiden sich sicherlich die Geister. Die Spanier wissen, dass es sich bei
       Ohrwürmern um „ansteckende Lieder“ handelt. Die Musikwissenschaft weiß,
       dass besonders betroffen solche Menschen sind, die beim Musikhören starke
       Gefühle haben.
       
       In diesem Fall thront über allem aber natürlich, anders als etwa bei „Last
       Christmas“, der aufklärerische Nutzen. Problematisch wird es dann nur, wenn
       man sich als Teilnehmer der News-Ticker-Gesellschaft eine Überdosis
       „Aufklärung“ einfängt. Aber das ist ein anderes Thema für eine andere
       Rubrik.
       
       Und was gibt es an dieser Stelle zu sagen? Wer über neuartige praktische
       Hinweise (z. B. Händewaschen) hinaus den Bedarf an Hoffnung stiftenden
       Informationen hat, muss aktuell nach dem Lindenbergschen Motto „Hinter dem
       Horizont geht’s weiter“ verfahren. In diesem Sinne kann mitgeteilt werden,
       dass die Konzerte des Filmkomponisten Hans Zimmer (22. 3., Barcley Card
       Arena) und des Schlagersängers Semino Rossi (29. 4., edel-optics.de Arena)
       stattfinden werden. Und zwar 2021.
       
       14 Mar 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nils Schuhmacher
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA