# taz.de -- Oberbürgermeisterwahl in Leipzig: Jung bleibt im Amt
       
       > Mit hauchdünnem Abstand kann SPD-Kandidat Burkhard Jung sein Amt im
       > zweiten Wahlgang verteidigen. Der „rote Leuchtturm“ Leipzig ist nicht
       > gekippt.
       
 (IMG) Bild: Knapp, aber er bleibt Oberbürgermeister von Leipzig: Burkhard Jung von der SPD
       
       Leipzig taz | Am Ende sind es am Sonntagabend nur rund 3.500 Stimmen, die
       das nächste sozialdemokratische Debakel verhindern. Neunzig Minuten nach
       Schließung der Wahllokale fehlen für das Ergebnis des [1][zweiten Wahlgangs
       zur Leipziger Oberbürgermeisterwahl] noch zwei Bezirke. Doch die
       Sozialdemokrat*innen im Rathaus empfangen Burkhard Jung trotzdem schon als
       Wahlgewinner, unter lautem Jubel und rhythmischem Klatschen überreicht die
       SPD-Fraktion ihm einen riesigen Blumenstrauß.
       
       Erst später kommt das vorläufige Endergebnis: eineinhalb Prozentpunkte
       Vorsprung vor seinem konservativen Herausforderer sichern Jung die dritte
       Amtszeit. Nicht nur die SPD, auch Grüne und Linke sind sichtlich
       erleichtert. Leipzig, der rote Leuchtturm im Freistaat Sachsen, ist nicht
       gekippt.
       
       Es war ein denkbar knappes Rennen, die Stimmung im großen Rathaussaal war
       angespannt, als die Balken von Jung und seinem [2][konservativen
       Herausforderer Sebastian Gemkow (CDU)] bei der Auszählung abwechselnd vorn
       liegen. Doch je mehr Bezirke der Stadtmitte ausgezählt waren, desto
       betretener wurden die Gesichter bei der CDU-Fraktion. Und desto lauter
       wurde der Jubel der linken Parteien im Stadtrat. Am Ende blieben die Balken
       stehen: 49,1 Prozent für SPD-Amtsinhaber Jung, [3][47,6 Prozent für
       CDU-Kandidat Gemkow.] Jung darf im Amt bleiben.
       
       Ein klarer Sieg für ein seit 14 Jahren regierendes Stadtoberhaupt sieht
       jedoch anders aus. Für die Leipziger SPD, die seit 30 Jahren den
       Oberbürgermeister stellt, ist die Katastrophe gerade noch mal abgewendet.
       Doch durch die Stadt geht ein Riss. Das konservative Lager hat in einem
       polarisierenden Wahlkampf stark aufgeholt.
       
       Im Fraktionszimmer der SPD ist es brechend voll, als der Sieger des
       Wahlabends seine Rede hält. „Wir haben in der Tat eine gespaltene Stadt“,
       dämpft Jung den Jubel. Er habe die Lehre verstanden, so der 61-Jährige:
       „Wir müssen stärker auf die Randbezirke Leipzigs zugehen“, besonders in den
       Bereichen Mobilität und Wohnungsbau. „Ich möchte Oberbürgermeister aller
       Leipzigerinnen und Leipziger sein.“
       
       ## Innen rot, außen schwarz
       
       Auf der Leipzig-Karte mit den Ergebnissen tritt die [4][Spaltung der Stadt
       klar zutage]: ein dicker, schwarzer Ring belagert ein rotes Stadtzentrum.
       Die Außenbezirke hat ausnahmslos CDU-Kandidat Gemkow für sich gewonnen. Der
       gratuliert am Abend seinem Widersacher, obwohl seine Enttäuschung groß ist.
       „Aber ich gratuliere Burkhard Jung und wünsche ihm ein gutes Händchen, die
       Stadt wieder zu einen.“ Gemkow bleibt damit sächsischer
       Wissenschaftsminister.
       
       Dass sich Jung doch noch gegen Gemkow durchsetzen konnte, verdankt er der
       Unterstützung von Linken, Grünen und Der Partei im Rathaus. Nach dem Schock
       des ersten Wahlgangs Anfang Februar, als Gemkow mit 1,8 Prozentpunkten
       Vorsprung Jung überraschend geschlagen hatte, verzichteten die
       Kandidat*innen der drei Parteien darauf, im zweiten Wahlgang erneut
       anzutreten. Zähneknirschend versammelten sie sich hinter Jung, der von
       linker Seite gern kritisiert wird.
       
       Auch deshalb war in den vergangenen Wochen unklar, ob Jung den eigentlich
       komfortablen Vorsprung des progressiven Lagers würde hinter sich versammeln
       können: Die Kandidat*innen von SPD, Grüne und Linke hatten im ersten
       Wahlgang immerhin 15 Prozentpunkte mehr auf sich vereint als die Kandidaten
       von CDU und AfD. Geblieben sind von diesem Vorsprung am Sonntag nur
       hauchdünne 1,5 Prozentpunkte. „Das war ein Anti-Gemkow-Allianz“, sagte am
       Sonntagabend auch Leipzigs SPD-Vizechefin Irena Rudolph Kokot. Eine
       Herzenswahl war Burkhard Jung für das linke Leipzig nicht.
       
       2 Mar 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helke Ellersiek
       
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