# taz.de -- heute in hamburg: „Der Horror für traumatisierte Geflüchtete“
       
       Interview Yasemin Fusco
       
       taz: Herr Fiedler, was passiert im Abschiebegefängnis im dänischen
       Sjælsmark? 
       
       Markus Fiedler: Dort herrscht erschreckende Eintönigkeit: Die Menschen sind
       zum Nichtstun verdammt. Sjælsmark liegt etwa 30 Kilometer von Kopenhagen
       entfernt und ist nur sehr schlecht angebunden. Es liegt direkt neben einem
       Trainingscamp des Militärs, in dem Schießübungen alltäglich sind. Für die
       traumatisierten Geflüchteten ist das natürlich Horror.
       
       Wie äußert sich die bürokratische Kälte in dem Lager, von der Sie in Ihrem
       Dokumentarfilm berichten? 
       
       Der Lagermanager, ein gelernter Gefängnisdirektor, begründet in einem
       Streitgespräch mit meinem Regisseur-Kollegen, Stanley Edward, der damals
       schon einige Jahre in Sjælsmark lebte, die dortigen Verhältnisse damit,
       dass man maximalen Druck auf die Bewohner*innen ausüben wolle, damit sie
       das Land verließen. Das sei eine rein politische Entscheidung. Dafür könne
       er ja nichts.
       
       Erleben die Geflüchteten dort Gewalt? 
       
       Ja. Es gibt eine Szene im Film, die die Abschiebung eines Flüchtlings
       zeigt: Er verhält sich nicht kooperativ, wird dann auf den Boden gedrückt,
       wie ein Paket verschnürt und in ein Auto verfrachtet. Diese Szene finde ich
       jedes Mal extrem hart, wenn ich sie sehe. Auch psychische Gewalt ist im
       Lager allgegenwärtig. Das führte auch schon zu Suiziden. Stanley Edwards
       Mitbewohner im Camp hat sich dort das Leben genommen.
       
       Wer kommt in Sjælsmark überhaupt in Abschiebungshaft? 
       
       Am Anfang war es ein Lager für alleinreisende männliche Flüchtlinge etwa
       aus dem Sudan oder Afghanistan. Mittlerweile leben dort aber auch Kinder
       mit ihren Familien. Die Kinder dürfen zwar in die Schule, wohnen aber
       trotzdem in diesem Abschiebezentrum. Es gibt mittlerweile sogar Kinder, die
       in diesem Camp geboren sind. Eine Kindheit dort ist eigentlich
       unvorstellbar.
       
       Was möchten Sie mit dem Film bezwecken? 
       
       Wir klagen die europäische Migrationspolitik an und wollen aufzeigen, was
       dort mit den Menschen passiert – wie die Eintönigkeit und die grausame
       Realität sie psychisch zermürbt. Und dass dies so gewollt ist. Es
       wiederholt sich in der Geschichte, dass Strukturen geschaffen werden, in
       denen Leute sich für ihr Mitwirken überhaupt nicht verantwortlich fühlen.
       Eigentlich müssten sie erkennen, dass sie Teil eines unmenschlichen Systems
       sind.
       
       Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli: Cast Away Souls, 20 Uhr im Kino B-Movie,
       Brigittenstraße 5, Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis
       
       10 Mar 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yasemin Fusco
       
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