# taz.de -- Nach Freisprüchen im Gezi-Prozess: Osman Kavala erneut festgenommen
       
       > Kurz nach seinem Freispruch am Dienstag wurde erneut Haftbefehl gegen den
       > Bürgerrechtler Kavala erlassen. Diesmal geht es um den Putschversuch
       > 2016.
       
 (IMG) Bild: Ayşe Buğra (links), Ehefrau von Osman Kavala auf dem Heimweg nach seiner erneuten Festnahme
       
       Nur wenige Stunden nach seinem Freispruch im Gezi-Prozess und seiner
       formalen Entlassung aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Silivri ist der
       türkische Unternehmer und Bürgerrechtler Osman Kavala erneut festgenommen
       worden. Hintergrund seien neue Ermittlungen im Zusammenhang mit dem
       Putschversuch im Juli 2016, meldete die staatliche Nachrichtenagentur
       Anadolu am Mittwoch.
       
       Kavala war nach dem Freispruch am frühen Nachmittag durch ein Gericht in
       Silivri nahe Istanbul aus dem dortigen Hochsicherheitsgefängnis entlassen
       worden, wo er mehr als zwei Jahre in Untersuchungshaft verbracht hatte.
       Laut Anadolu wurde er von der Polizei für Gesundheitschecks in ein
       Krankenhaus gebracht und danach erneut formell in Haft genommen.
       
       „Wir sind bestürzt über die erneute Inhaftierung von Osman Kavala
       unmittelbar nach seinem Freispruch“, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin
       auf Twitter. Das Ministerium forderte „schnellstmögliche Aufklärung“ zu den
       neuen Vorwürfen gegen den Unternehmer. Die Türkei müsse in dem Fall „alle
       rechtsstaatlichen Standards“ einhalten, zu denen sie sich verpflichtet
       habe.
       
       Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte die erneute
       Inhaftierung „zynisch und ungeheuerlich“. Diese Justizentscheidung sehe
       nach „vorsätzlicher und kalkulierter Grausamkeit“ aus, erklärte die
       türkische Amnesty-Aktivistin Milena Buyum. Nach Ansicht der
       Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zeigt die erneute
       Inhaftierung, dass sich die türkische Justiz unter „enger politischer
       Kontrolle“ befindet. Es handle sich um ein „rachsüchtiges und gesetzloses
       Vorgehen“, sagte die HRW-Vertreterin Emma Sinclair-Webb der
       Nachrichtenagentur AFP.
       
       19 Feb 2020
       
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