# taz.de -- Die Wahrheit: Der Blumenkohl, das höhere Wesen
       
       > Eine große schottische Freimaurerloge hat beschlossen, Veganer als
       > Mitglieder zuzulassen. Es gibt da nur ein kleines Problem …
       
 (IMG) Bild: Immer im Einsatz für die Kundschaft: ©Tom bei einer Signierstunde im taz-Shop 2019
       
       Es gibt viele Gründe, um eine Lachsfarm zu verbieten, zum Beispiel den
       Schutz der Umwelt und der Meereslebewesen. Ein recht ungewöhnlicher
       Einspruch hingegen verhinderte eine solche Farm vor der Küste der
       schottischen Insel Skye. Eine Gruppe namens „Friends of the Eilean
       Fhlodaigearraidh Faeries“ – die Freunde der Flodigarry-Feen – erklärte,
       eine Fischfarm gefährde die „Ashrai“.
       
       Das sind Meeresfeen, die Nixen ähneln. Sie leben angeblich bereits seit
       tausend Jahren vor Skye, und einmal in jedem Jahrhundert kommen sie an die
       Oberfläche, um im Mondlicht zu baden und dadurch zu wachsen. Lachskäfige
       wären für sie lebensgefährlich, denn sie würden zur falschen Zeit
       auftauchen und sofort schmelzen.
       
       Die Wassergeister, die „Blue Men of the Minch“, sowie die „Broobries“ – das
       sind Wasservögel – seien ebenfalls bedroht, genauso wie die Robben, die in
       Wirklichkeit „Roanes“ seien, also Wassermänner mit Fischschwanz. Zu guter
       Letzt kämen auch die Betreiber der Farmen nicht ungeschoren davon, denn die
       Feen würden sie mit Versprechungen von Gold und Juwelen zum tiefsten Punkt
       des Ozeans locken.
       
       Die Feenfreunde erwähnten in ihrem Schreiben auch Dunvegan, ein „magisches
       Wahrzeichen“ von Skye mit einem Feenturm aus dem 14. Jahrhundert, der sogar
       von Königin Elisabeth II. besucht wurde. Ein „Dun“ ist ein Fort. Ist
       Dunvegan also ein Veganer-Fort?
       
       Apropos „vegan“: Die Schotten kümmern sich nicht nur um Feen, sondern auch
       um andere eigenartige Spezies. So hat die große schottische Freimaurerloge
       vor Kurzem beschlossen, Veganer als Mitglieder zuzulassen. Das Symbol
       dieses Männerbundes ist seit 280 Jahren das Lamm, weil es Reinheit und
       Unschuld symbolisiere. Deshalb haben die Freimaurer, zu denen auch der
       Nationaldichter Robert Burns und der Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan
       Doyle gehörten, bei den Ritualen stets Schürzen aus Lammfell getragen.
       
       ## Menschen aus Vinyl
       
       Ab sofort kommen aber Schürzen aus Lambine zum Einsatz, einem
       Lammfell-Imitat aus weichem Plastik. Samantha Calvert, die Sprecherin der
       Veganer-Gesellschaft, sagte: „Das entspricht dem Gleichheitsgesetz, das
       festlegt, dass Menschen mit staatlich geschütztem Glauben – wie Veganer –
       nicht wegen ihres Glaubens diskriminiert werden dürfen.“
       
       Veganer sind demnach eine Sekte. Der Großmeister der schottischen Loge,
       Charles Iain Robert Wolrige Gordon of Esslemont, sagte, dass „jeder in der
       Loge willkommen ist, solange er an ein höheres Wesen“ glaube. An einen
       Blumenkohl etwa?
       
       Nicht alle sind über den Einzug der Veganer in die Logen glücklich. Gordon
       Kilgour, ein Logenmitglied aus Glasgow, sorgt sich um die traditionelle
       Ansprache an die Schürze. „Du wirst beachten, dass du aus der Haut eines
       Lamms gemacht bist“, heißt es bisher. Künftig müsse das wohl lauten: „Dir
       wird auffallen, dass du aus Vinyl bestehst.“ Die spinnen, die Schotten.
       
       17 Feb 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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