# taz.de -- die gesellschaftskritik: Facebooks Dating-App lässt sich nicht aufhalten
       
       Facebooks neuer Dating-Service wurde für Europa durch Irlands
       Datenschutzgesetz gestoppt. Aber bald darf man bestimmt auch hier mit
       Zuckerbergs Hilfe online flirten. 
       
       Falls Sie auch zu den Menschen gehörten, die bisher dachten, Berichte über
       einen Dating-Service von Facebook seien Satire: Irrtum. Tatsächlich wollte
       Zuckerbergs blaue Datenkrake heute sein bahnbrechendes Tool „Facebook
       Dating“ auch in Europa einführen – nach Probephase in Kolumbien seit 2018
       und Anwendung in den USA 2019. Doch der europäische Valentinstagsflirt kann
       auch 2020 noch facebookfrei bleiben: Irlands Datenschutzbehörde hat die
       neue Dating-Anwendung gerade noch rechtzeitig gestoppt. Allerdings nicht
       wegen großer inhaltlicher Bedenken, sondern einfach, weil die Zeit nicht
       reichte, um die Dating-App ordentlich zu prüfen.
       
       [1][Bedenken] über Fristen hinaus könnte man schon haben: Zuckerbergs
       Konzern steht dank der Verquickung von Facebook, Instagram und WhatsApp im
       Fokus datenschutzrechtlicher Kritik, und das vollkommen zu Recht. Zwar gibt
       es das Versprechen, dass die neue App werbefrei sein soll, aber sobald es
       genug User gibt, schert Mark Zuckerberg sich gewiss nicht mehr um sein
       Geschwätz von gestern.
       
       Denn die User werden kommen, machen wir uns nix vor. Dating und Facebook zu
       koppeln ist einfach zu bequem: Das neue Tool funktioniert, wie alle anderen
       Dating-Apps, zwar mit Klicken statt Wischen, aber ansonsten halt: Leute
       toll finden und Kontakt aufnehmen können, wenn andere Leute einen auch toll
       finden. Und, großer Vorteil, man muss nicht erst mühsam die eigenen
       Vorlieben und Hobbys ausfüllen wie sonst wo (oder gar noch nach Wichtigkeit
       bewerten wie bei der Streber-Dating-App OKCupid) – Facebook weiß ja eh
       schon fast alles über einen. Dank der einzigartigen Scharnierstellung in
       der Mitte sich ergänzender sozialer Netzwerkdienste kann die App auch die
       WhatsApp-Chats durchkämmen und Instagram-Fotos auf gemeinsame
       Schönheitsideale untersuchen. Was herauskommen könnte, wäre die fast
       perfekte neue Partnersuche. Facebook weiß, wen du magst, selbst wenn du es
       noch nicht weißt.
       
       Wirkliche Konkurrenz könnte Facebook an dieser Stelle nur Google machen.
       Für perfekte Ergebnisse müsste man die Daten von Google, Facebook,
       vielleicht noch der NSA und der Stasi-Akten in einer Meta-Dating-App
       koppeln. Das ist das nächste große Ding, ganz sicher! Der nächste
       Valentinstag kommt bestimmt! Malte Göbel
       
       14 Feb 2020
       
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